Ist das eine Ausrede oder was?

Hallo du,

und dann kam der Winter mit voller Wucht.

Wir waren gerade auf dem Weg nach Konstanz, wo meine Mutter lebt. Sie braucht dringend Unterstützung. Aber das ist ein anderes Thema, das gehört nicht hierher. Davon möchte ich dir gerne ein anderes Mal erzählen. Heute geht es um Ausreden und was passt da nicht besser, als mit einer zu starten?

Wir sind extra früh aufgestanden. Dafür, dass es sich um einen Samstag handelte, war 7:30 Uhr recht früh. Wir fuhren auf die Autobahn. Keine 10 Minuten waren wir unterwegs, setzte ein unglaublicher Schneefall ein. So, dass in 0 ,    oder besser gesagt, in Null Komma Nix die Autobahn zugeschneit war. Damit hatten wir gar nicht gerechnet. Es war erst für später Schneefall angekündigt.

Na ja. Wir fuhren in Richtung A 96. Das Auto war noch nicht richtig warm, brach ich plötzlich meinen Satz ab und schaute meinen Mann an. Er dachte. Und weil ich eine Frau bin, sagte ich was er dachte. „Sollen wir wirklich nach Konstanz fahren, oder nicht besser umdrehen?“ Wenn es morgens bereits so schneit und für später noch mehr Schnee angekündigt war, wäre es dann nicht vernünftiger wieder heim zu fahren?

Wenn ich es nicht besser wüsste, könnte man in diesem Fall von „zwei Dumme – ein Gedanke“ sprechen.

Wir wägten kurz ab, welche lebensnotwendigen Hilfestellungen wir hätten leisten müssen und kamen schnell zu dem Ergebnis, dass wir einmal an uns denken dürfen und meine Mutter hintenangestellt werden muss. Es ist vernünftiger bei diesen Witterungsverhältnissen nicht zu fahren. Und die Aufgaben, die wir zu erledigen hatten, konnten vertagt werden. 

Und so nahmen wir die nächste Autobahnausfahrt und fuhren wieder nach Hause, welches kaum wieder zu erkennen war. Denn mittlerweile lag ein dicker weißer Schleier über der Straße, den geparkten Autos und meiner Rampe vor der Haustüre. Mit Rückendeckung von meinem Mann musste ich mit meinem Speedy einmal über sie schlittern um schließlich im Flur parken zu können.

Drinnen angekommen tranken wir erst einmal ein Tässchen Tee bzw. Kaffee und überlegten, was wir mit der gewonnenen Zeit anfangen sollten. Seltsam, oder? Der Tag hat vorher wie nachher 24 Stunden. Trotzdem haben wir Zeit dazu bekommen.

Das war der Vorteil an unserer abgebrochenen Reise. Nun hatten wir Gelegenheit uns endlich um unsere eigenen Päckchen zu kümmern. Mein Mann legte Hand im Haus an und kümmerte sich um Reparaturen, die schon lange überfällig waren.

Und weil ich nicht im Weg stehen wollte, setzte ich mich an unseren Esstisch, öffnete den Laptop und machte mich an administrativen Kram meiner Mutter, den sie mittlerweile leider nicht mehr selbst bewältigen kann. Zu guter und längster Letzt tippte ich all ihre Kontakte, Freunde, Bekannte, Ärzte, Therapeuten usw. in eine Excelliste. In weiser Voraussicht hatte ich, bei einem unserer letzten Besuche, ihr Adressbuch in ihrem Kalender, Seite für Seite, abfotografiert. Das Abtippen dieser Notizen erwies sich als große Herausforderung. Denn die Schrift meiner Mutter war schon lange alles andere als gut lesbar.

Während wir Eltern brav unserer Arbeit nachgingen, wuchs die Schneedecke in unserem Garten.

Es hatte zwischenzeitlich so viel geschneit, dass die Welt in ein weißes Wintermärchen verzaubert worden war. Was zur Folge hatte, dass unsere Kinder freiwillig, ich betone f r e i w i l l i g raus zum spielen gegangen sind. Natürlich haben sie erst brav den Weg geräumt. Doch dann haben sie festgestellt, dass es sich um Pappschnee handelte und ließen sich die Freude nicht nehmen, einen dicken Schneemann zu bauen. Allerdings haben sie beim Rollen der Kugeln außer Acht gelassen, dass bei größer werdendem Umfang auch das Gewicht ansteigt. 

Und sie haben uns wieder einmal bewiesen: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Nach Einbrechen der Dunkelheit waren sie stolze Schneemannbesitzer. Sie haben ihn vor unserer Haustüre positioniert damit jeder, der hier vorbeikommt, ihn begutachten kann. Oder dient er als Abschreckung für unliebsame Gäste?

Im Laufe des Sonntags allerdings, ist er ein bisschen in Schieflage geraten. Denn die Temperaturen waren knapp über den Gefrierpunkt geklettert. Also so, dass sich die ein oder andere Schneeflocke in Wasser verwandelt hatte.

Aber keine Sorge. Der deutsche Wetterdienst hat weiteren Schneefall angekündigt.

 

Des einen Freud, des anderen Leid.

Der Satz beschreibt mein Schicksal. Denn gerade habe ich mich über die wärmer werdenden Tage gefreut, über Wege, die eisfrei sind und Wetter, das nach draußen lockt. Schon ist der Spaß vorbei. Diesen Winter habe ich wirklich schon viele Tage, nein Wochen in unserem Haus zugebracht. Ich bin selten vor die Haustüre gekommen und habe mich dabei immer wieder an meine Großmutter erinnern müssen:

„Heute ist es zu nass, da gehe ich nicht raus.“

„Heute ist es zu kalt, da gehe ich nicht raus.“

„Heute ist es zu glatt, da gehe ich nicht raus.“

„Heute ist es zu windig, da gehe ich nicht raus.“

Du siehst. Jeden Tag gibt es eine andere Ausrede warum ich nicht rausfahren konnte.

Und mir fällt immer wieder eine Neue ein.

„Heute liegt zu viel Schnee, da gehe ich nicht raus.“

Aber sind das wirklich Ausreden? Oder Entscheidungen, die meiner Sicherheit dienen? Wenn ich daran denke, wie ich mit dem Speedy über die schneebedeckte Rampe gerutscht bin, ist das wohl eher eine Vorsichtsmaßnahme.

Und sobald der Schnee weggetaut ist und die Temperaturen wieder über den Gefrierpunkt geklettert sind, freue ich mich wieder lange Spritztouren mit meinem Speedy und netten Freunden unternehmen zu können. Bis dahin gedulde ich mich und mache aus der Not eine Tugend.

Es gibt doch auch so noch eine Menge was ich machen kann. Wie zum Beispiel diesen Blogbeitrag zu schreiben, den ich jetzt bald veröffentlichen kann.

Und wie kann es noch schöner werden? Wie kann es für mich noch leichter werden?

 

Danke!

 

Spaziergang

Warme Stube,
mollig warm.
Ein Glück,
hier habe ich keine Sorgen.
Draußen schneit es,
bitter kalt.
Eisiger Wind.
Spaziergang vertag´ ich besser auf Morgen.

Warme Sonne,
angenehm warm.
Komm herbei,
dann habe ich keine Sorgen.
Draußen scheint sie,
lieblich und warm.
Sanfte Sonne,
Spaziergang vertrag ich heute genauso wie morgen.

 

Bei Sonnenschein macht alles noch mehr Spaß, außer Fenster putzen. Das gibt nur Geschmiere. Doch ein Spaziergang, bei dem die Sonne einem auf die Nase scheint, ist doch allemal schöner als einer, bei dem die Fingerspitzen frieren. Deswegen bleib ich hier in meiner Stube und tippe mit warmen Fingern auf die Tasten.

Was wird die Woche Gutes bringen? Ich bin gespannt…

Ich wünsche dir eine wunderschöne Woche und dass du es immer warm genug hast und deine Fingerspitzen niemals frieren müssen. Sehen wir uns in einer Woche wieder?

Ich freue mich auf dich.

Und wenn dir gefällt, was ich schreibe, besuche die Schmetterlingsdompteurin auf Facebook und schenke mir deinen Daumen nach oben. Das wäre schön.

Danke und herzliche Grüße

Deine Schmetterlingsdompteurin

 

By | 2018-02-21T17:33:41+00:00 Februar 21st, 2018|Gedichte, Meine Geschichten|0 Kommentare

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