Erfahrungen sammeln

Hallo du,

ich muss immer wieder an die beiden Mäuschen denken. Sie kuscheln in ihrer Mäusehöhle und wärmen sich gegenseitig und warten so gemeinsam auf den Frühling.

Bei uns Menschen ist das anders.

Das Leben geht weiter, egal welche Jahreszeit draußen herrscht. Sommer, Herbst, Winter, Frühling. Ein Menschenleben kann darauf keine Rücksicht nehmen. Das Lebensrad dreht sich ständig. Unabhängig von den Außentemperaturen.

Und oft ist es mit Erlebnissen und Herausforderungen gefüllt.

Es gibt immer viel zu erzählen. So viel, dass ich heute die Zeit nutzen möchte, Versäumtes aufzuholen. Zum Beispiel wollte ich schon so lange aus meinem Nähkästchen plaudern. Immer wieder werde ich von der Geschwindigkeit meines Lebens, auch wenn man mir das körperlich nicht ansehen mag, denn ich bewege mich äußerlich eher im Schneckentempo vorwärts, überrollt.

Jetzt nehme ich mir Zeit und betätige die Bremse, warte bis der Trubel zu Hause nachlässt und Ruhe im Haus einkehrt und dann

öffne ich mein Nähkästchen
…für dich……und schaue hinein……..mal sehen…….was haben wir denn da ?

eine Schere ✂️
ein paar Knöpfe
ein Maßband
Stecknadeln 📍
Faden in verschiedenen Farben
Sicherheitsnadeln
einen Fingerhut

 

Du wirst es nicht glauben. Aber als ich gestern den Gedanken gefasst habe, darüber zu schreiben, steht plötzlich mein Mann neben mir und bittet mich, das Loch in seinem Pullover zu stopfen. Und gar nicht viel später, fällt der Knopf an der Jackentasche meiner Tochter ab. Nicht zu vergessen, dass sie gestern morgen noch einen kleinen Unfall hatte, wobei der Träger ihres Sportbeutels abgerissen wurde. Alles kein Problem. Mein Nähkästchen, das ich von meiner verstorbenen Oma übernommen habe, hatte ich schnell zur Hand. Das Einzige was ich nicht nähen konnte, war die Narbe am Daumen meiner Tochter. Der Arzt meinte, die innere Narbe sei aufgerissen. Doch dieser Bluterguss, an der gerade erst verheilten Wunde einer im Dezember statt gefundenen OP, soll selbst heilen. Zum Glück. Und damit nichts weiter passiert, hat der Arzt das quirlige Ding in eine Schiene gelegt. Also nicht meine Tochter. Den Daumen meine ich. Wir sind froh, dass keine erneute Operation notwendig ist. Das hätte uns jetzt gerade noch gefehlt.

Ich wollte doch nur etwas Spaß machen und wörtlich genommen aus meinem Nähkästchen plaudern. Das es gleich echt zum Einsatz kommen sollte, ist schon lustig.

Jetzt komme ich zu meinem eigentlichen Thema für diesen Blogbeitrag. Ich kann dir schon so viel verraten, da kommt noch was auf dich zu. Es passieren zu viele Dinge um mich herum und in mir drin. Und ich lasse mich offensichtlich sehr schnell ablenken. Wenn man bedenkt, dass bald zwei Monate vergangen sind, ehe ich darüber schreibe. Heute verspreche ich dir, lasse ich mich nicht davon abbringen, dir von meiner Erfahrung beim BR zu erzählen. Von nichts und niemandem. Ehrlich.

Ganz egal ob gerade ein kleiner Igel durch unseren Garten huscht. Oh, ein Igel. Der ist aber süß. Aber er war zu schnell um ihn mit meiner Handykamera einfangen zu können. Schon ist er ins Gebüsch gehuscht. Aber er liefert mir Inspiration.

Und schwups, habe ich etwas gedichtet.

 

 

 

 

 

 

Der Igel

Ich bin ein Igel und hab´ kurze Beine.
Doch laufen kann ich schnell.
Vergleich mich mit dem Dings, na, ich meine
mit dem Jaguar, der rennt kriminell.

Komplexe schneien so zu mir.
Der Unterschied ist doch sehr groß.
Stell neben mich ein kleines Tier
dann fühl ich mich famos.

Denn im Vergleich zu einer Biene
lauf ich flink und recht begabt.
Doch Bienen fliegen mit Routine.
Na, da hab ich Pech gehabt.

Wettbewerb wär´ sicher besser
unter Meinesgleichen anzustellen.
Sonst liefere ich mich ans Messer
denn es gibt so Viele von den Schnellen.

Es ist piepe und auch schnurz
wie schnell die Anderen laufen.
Ob meine Beine lang sind oder kurz,
warte, ich muss eben mal verschnaufen.

Ab sofort vergleiche ich mich
jetzt weißt du Bescheid,
nur mit mir, denn ich bin ich.
Welt mach dich für mich bereit!

Und weil ich den Wortlaut „piepe und schnurz“ benutzt habe, fällt mir natürlich gleich ein Spiellied ein, das ich früher mit den Kindern im Kindergarten gesungen haben. Und weil ich der Meinung bin, dass nichts und niemand perfekt ist und ich ohnehin nichts mehr zu verlieren habe, singe ich es dir gleich einmal vor. Es ist ja deine Entscheidung, ob du auf „play“ drückst oder nicht.

 

So, der Igel ist schon längst wieder in seinem Winterversteck angekommen. Jetzt wird es Zeit, dir von meinen Erfahrungen beim BR zu erzählen.

Ende November – letzten Jahres –  fand beim Bayerischen Rundfunk in Nürnberg eine Themenwoche für Mitarbeiter statt.

Ich war als Referentin eingeladen.

Und sage dafür DANKE. 

Ich hatte das Glück, dass ich zwei starke Begleiter dabei hatte. Mein Mann hat mich freundlicherweise nach Nürnberg gebracht. Sicherheitshalber, weil ich nicht wusste, wie weit die Wege sein würden, hatten wir meinen „Speedy“ in den Kofferraum gepackt. Ich war sehr froh ihn dabei gehabt zu haben. Auch wenn die Entfernungen nicht der Rede wert waren. Dennoch war es angenehm. Denn die Aufregung hatte zur Folge, dass die Kraft und Beweglichkeit in meinen Beinen zu wünschen übrig ließen. Wie gut, dass das nicht wichtig war. Denn…

 Speedy macht mobil, bei Arbeit, Sport und Spiel…

Der BR geht mit der Gesundheit seiner Mitarbeiter äußerst verantwortungsvoll um und hat unter anderem in Nürnberg eine Themenwoche organisiert. Jeden Tag gab es zu einem oder mehreren Themen rund um Gesundheit und Krankheit eine Ausstellung, Vorträge und Gesprächsmöglichkeiten.

Und am Donnerstag, den 30.11.2017 war es soweit. 

Unter dem Motto MS – 2 Erfahrungsberichte über diese Diagnose wurden die Mitarbeiter zu einem Gespräch eingeladen.

Zusammen mit zwei Mitarbeitern des DMSG, die ich an dieser Veranstaltung kennenlernen durfte, bereiteten wir uns auf diesen Tag vor. Wir haben im Vorfeld lange Gespräche geführt und uns ausgetauscht wie wir diesen Nachmittag gestalten wollen.

Ich hatte ein gutes Gefühl und möchte mich an dieser Stelle herzlich für die Zusammenarbeit bedanken. 

Der Raum war hergerichtet, die Stühle gestellt, der Fühlparcours aufgebaut. Gespanntes Warten. Doch der große Ansturm blieb leider aus. Das war im ersten Moment eine Enttäuschung. Doch wir haben das Beste daraus gemacht. Und am Ende war auch diese Erfahrung eine wertvolle. Die Situation bot mir persönlich die Gelegenheit, im kleineren Rahmen diese Aufgabe „Referentin“ zu üben. Ich habe zwar schon die ein oder andere Lesung zu meinem Buch „Die Schmetterlingsdompteurin“ gehalten. Doch der Zweifel, ob sich wirklich jemand für das interessiert, was ich sage, blieb immer. Davon abgesehen, bin ich es nicht gewohnt, dass mir jemand wirklich ernsthaft seine Aufmerksamkeit schenkt, um meine Geschichte und meinen Umgang mit der Erkrankung MS zu hören.

Oder ist das nur wieder eine von meinen Überzeugungen, die zum Glaubenssatz geworden ist?

Wie kann es jetzt noch schöner werden? Wie kann ich endlich selbst erkennen, dass auch ich einen großen Beitrag im Leben leiste, der es Wert ist, anerkannt zu werden? 

Ich selbst bin nicht oft in Unternehmen unterwegs und habe wenig Ahnung von Business und Co. Ich kann nur feststellen, dass der Bayerische Rundfunk gut für seine Mitarbeiter und ihre Gesundheit sorgt. Er macht sich Gedanken um seine Angestellten und deren Probleme und möchte Lösungen finden wie man konstruktiv und sensibel damit umgehen kann. Das ist meiner Meinung nach schon etwas Besonderes. Es liegt jetzt nur noch an jedem Einzelnen selbst, die ausgestreckte Hand zu nehmen und die Möglichkeiten zu nutzen, die einem geboten werden.

Doch nicht nur für selbst Betroffene, wäre diese Veranstaltung interessant gewesen. Es geht doch noch viel weiter. Bist oder warst du schon einmal Chef? Wie geht ein Vorgesetzter damit um, wenn er einen Angestellten hat, der plötzlich an einer schweren Erkrankung leidet? Darf er ihn einfach darauf ansprechen? Darf er ihm ein anderes Projekt geben, weil er beobachtet, dass er seit der Diagnose nicht mehr so leistungsfähig ist? Darf er ihm einen Rat geben? Bei genauerem Hinsehen und auch als wir mit Vorgesetzten des BR gesprochen haben, konnte ich feststellen, dass Chef sein ganz schon anspruchsvoll ist.

Fingerspitzengefühl ist gefragt.

So sind bzw. waren beide Seiten bei der Diskussion zu berücksichtigen. Doch die Frage „Spreche ich meinen Mitarbeiter darauf an“ konnte nicht geklärt werden. Das Leben ist zu individuell und es gibt dafür kein Patentrezept. Auch nicht im Umgang mit Diagnose und Arbeit.

Dieser Tag war eine Bereicherung für mich. Eine Erfahrung für die ich sehr dankbar bin. Ich habe gelernt, dass auch ich, obwohl ich keinen Doktortitel oder Hochschulstudium abgeschlossen habe, etwas zum Leben anderer beitragen kann.

Auch ich kann für andere eine Bereicherung sein.

Ich wünsche jedem Chef das richtige Gespür für die Sorgen seiner Mitarbeiter und jedem Mitarbeiter wünsche ich den Mut, sich Hilfe zu holen und eine ausgestreckte Hand zu erkennen und anzunehmen. Denn dann läuft es sich ein bisschen leichter durchs Leben.

Und allem voran appelliere ich an die DANKBARKEIT. Für das Leben, für die Mitmenschen, für das SO SEIN.

Wie kann ich meine Erfahrungen noch besser für mich und meine Mitmenschen nutzen? 

Dieser Beitrag ist etwas komplexer geworden, als ich ihn geplant habe. Und da liegt der Fehler. Leben ist nicht planbar. Es passiert. Und mit den richtigen Fragen kommen die richtigen Entscheidungen wie von selbst ins Leben geflattert. So wie ein kleiner Schmetterling, der unverhofft auf einer Blüte landet.

Und jetzt ziehe ich mich zurück. Ich muss noch ein paar Erfahrungen sammeln. Bis nächsten Mittwoch habe ich 7 Tage Zeit. Ich bin gespannt was auf mich zu kommt. Und davon erzähle ich dir beim nächsten Mal.

Ich wünsche dir eine schöne Woche.

Herzliche Grüße

Deine Schmetterlingsdompteurin

PS: Halte dich gut fest, damit der Wind dich nicht davon weht. Eine gute Woche wünsche ich dir. Sei offen für alles, was dir begegnet. Ich probiere es auch.

 

 

 

By |2018-01-17T15:27:07+00:00Januar 17th, 2018|Gedichte, Liedchen, Meine Geschichten|1 Kommentar

Ein Kommentar

  1. Caroline Regnard-Mayer 17. Januar 2018 um 18:23 Uhr

    Liebe Eva,
    ich lese solche langen Beiträge ja sehr sehr selten zu Ende. Aber heute war ich neugierig da meiner Freundin ihr Mann in Dorfen beim BR arbeitet 😉
    Liebe Grüße
    Caro

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