Die Schmetterlingsdompteurin geht in die Opa!

Hallo du,

vorneweg möchte ich eine wichtige Information bekanntgeben, die möglicherweise entscheidend dafür ist, ob du diesen Beitrag noch weiterliest oder nicht.

Ich singe heute nicht. 

So, dann kann es weitergehen. Eine Woche voller Erfahrungen liegt hinter mir. Doch um die soll es sich heute nicht drehen. Heute möchte ich ein letztes Mal die Zeit nutzen, um von vergangenen Erlebnissen zu berichten. (du siehst, ich gebe die Hoffnung nicht auf, irgendwann die Zeit einzuholen, damit ich dir von dem, was gerade jetzt in meinem Kopf vor sich geht, erzählen kann.)

Heute wird es musikalisch, denn Ich war „for the very first time“ in die Opa also nein, so ein Quatsch

in der Oper.

Und es hat mich umgehauen. Wie gut, dass ich schon im Rollstuhl saß. Wer weiß, was mir sonst zugestoßen wäre.

Du möchtest wissen wie eine Schmetterlingsdompteurin dazu gekommen ist, in die Oper zu gehen? Das möchte ich dir sehr gerne verraten. Durch einen interessanten Umstand hat eine Chorfreundin von mir erfahren, dass ich einen Schwerbehindertenausweis mit den Merkzeichen aG, G und B besitze. Entscheidend hier ist der Buchstabe B.

Und wer hat A gesagt?

Ich habe nichts gehört. Wir sagen trotzdem B.

Eine Chorfreundin hatte 2 Karten für die Oper in München. Einen Rollstuhlplatz mit Begleitperson. Durch einen weniger erfreulichen Umstand hat es sich ergeben, das ihre Rollstuhlfahrerin be- äh ich meine ver-hindert war. Sie hatte eine Karte für eine Begleitperson und war nun auf der Suche nach einem behinderten Menschen, der die Berechtigung für einen Rollstuhlplatz mit Begleitperson hat. Bei einer Umfrage in unserer Chor-WhatsApp-Gruppe für ein anderes Konzert, habe ich mich gemeldet, um Karten für Rollstuhl mit Begleitperson zu erfragen. Leider waren hierfür bereits alle Plätze ausgebucht. Doch, weine nicht kleine Eva… denn der Trostpreis übertrifft alles. Was heißt hier Trostpreis? Auf diesem Weg hatte ich den Hauptpreis gewonnen, das wusste ich nur noch nicht. Durch den Chatverlauf hat diese Chorfreundin davon erfahren, dass ich einen Schwerbehindertenausweis mit den Merkzeichen aG, B und G innehalte und somit den Anforderungen ihrer Opernkarte gerecht werde.

Und schon klingelte mein Handy.

Ich war gerade auf dem Weg nach Nürnberg zum BR, als ich diesen für mich erfreulichen Anruf bekam. Es brauchte nicht vieler Worte und ich bewies, dass ich auf meine „alten Tage“ noch zu spontanen Entscheidungen in der Lage bin. Ich muss ehrlich sagen, bis zu diesem Zeitpunkt dachte ich, Oper, das ist nix für mich. Aber wenn ich jemandem einen Gefallen machen kann und dadurch eine wunderbare Erfahrung geschenkt bekomme, dann ist das doch quasi ein Glücksfall.

Außerdem finde ich das super, dass für einen Moment mein Handicap zum Vorteil wurde.

Die Schmetterlingsdompteurin geht in die Oper. Was für ein Ereignis.

Und ich sag dir, das war eine Einladung mit allem was dazu gehört. „all inclusive“ sozusagen. Ich fühlte mich, als hätte ich ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk bzw. kurz vor Weihnachten ein vorträgliches Weihnachtsgeschenk bekommen. Ich musste mich um nichts kümmern. Außer im Rollstuhl sitzen und einen guten Eindruck machen.

Ich bekam einen Shuttleservice von Haustür bis zur Haustür.

Auf Grund des Wetters und des Feierabendverkehrs kamen wir etwas später an der Staatsoper München an. Wir fuhren durch die hübsch geschmückte Maximilianstraße. Ich kam mir vor wie ein kleines Kind, das sein erstes Mal in die große weite Welt geführt wurde. Ein Parkplatz direkt vor dem Eingang wurde gerade für uns frei. Beim Betreten der Oper war ich leicht irritiert. Bot die Empfangshalle wenig Ambiente. Doch bereits im Fahrstuhl war ich entzückt, als der Liftboy uns zur gewünschten Etage brachte. Dort ausgestiegen dachte ich, ok ist doch ziemlich schick hier. Meine Begleitung führte mich durch prächtige Säle mit gewaltigen und atemberaubendem Decken- und Wandschmuck. Meine Entzückung war komplett am überlaufen als ich die üppigen Kronleuchter sah. Eine Wohltat für das Auge. So schööööön. Und dann so viele schöne Menschen. Gut gekleidet, mit feinstem Zwirn.

Wir brachten unsere Jacken zur Garderobe, machten was Frauen so machen wenn sie mal müssen und betraten schließlich den pompösen und beeindruckenden Konzertsaal. Jetzt dauerte es nicht mehr lange und die Aufführung begann.

Andrea Chénier

Italienisch. Aber egal. Auch auf deutsch wäre bei dem Sing Sang nicht unbedingt viel zu verstehen. Ich war froh, dass gar nicht weit von mir die Übersetzung angezeigt wurde. So konnte ich die Handlung doch einigermaßen verstehen. Hier erlaube ich mir, dir einen kleinen Einblick zu gewähren und zeige dir, neben den offiziellen Bildern und Videoausschnitten, meine heimlich geknipsten Aufnahmen. Das mit den Smartphones war übrigens interessant zu beobachten. Kaum ein Handy war während der Aufführung zu sehen. Lauter gut gesittete Menschen, die sich zu benehmen wussten. Doch als die Guillotine und schließlich der Vorhang fielen, gab es kein Zurückhalten mehr. Unmengen von Blitzlichtern und Displays blinkten auf. Jeder nutzte die Gelegenheit, seinen eigenen Lieblingsstar aus der Ferne zu fotografieren. Klick, klick, klick. Ich habe mich nur einmal während der Aufführung getraut, eine Aufnahme zu machen. Schließlich gehört sich so etwas nicht und ich wollte nicht negativ auffallen. Es hat mir gereicht, dass ich einmal mitten drin für Unruhe gesorgt habe. Denn plötzlich, in einem besonders stillen Moment, polterte es. – Mein Brillenetui fiel von meinem Schoß und plumpste zu Boden. Oh, das habe ich wohl vergessen in die Tasche zu packen.

Die Aufführung war in vollem Gang. Kurzweilig, mitreißend, ergreifend. Eine wunderbare Inszenierung. Meine Begleitung meinte, nicht jede Oper ist angenehm zu schauen. Sie hat auch schon welche erlebt, wo sie das Ende herbeigesehnt hat. Ich hatte wohl Glück und kann deswegen sagen: Mich hat Oper überzeugt. Ein Fach für Inspiration und Anregung für die Sinne, den Verstand und das Herz. 

 

 

 

 

 

 

 

Und ich Kunstbanause habe noch nicht einmal bemerkt, dass ich in den Genuss hochkarätiger Opernsänger gekommen bin. Ahnungslos wie ich war, stand da ein Startenor auf der Bühne. Jonas Kaufmann . Er bekam Szenenapplaus, Standingovations und für ihn standen die Fans, bei Wind und Wetter, vor dem Künstlerausgang und warteten, um ein Autogramm zu erhaschen.

Doch in der Aufführung nahm es ein tragisches Ende mit ihm. Das Messer der Guillotine raste ungebremst… Einen kurzen Moment war es, als erstarrte die Menge im Saal…kaum vorstellbar, dass Menschen zu solchen Grausamkeiten in der Lage waren, ja heute noch sind. Vielleicht nicht mit diesem Mittel, doch aber mit anderen nicht weniger schlimmen Methoden.

Die Inszenierung war mitreißend und berührend zugleich. Sie machte mit den Zuschauern eine Zeitreise, zurück in die Vergangenheit und überlieferte einen Einblick in die damalige Zeit und seinen Kampf für die bürgerliche Freiheit. – Und zwischen all den Grausamkeiten eine verbotene Liebe. Eine Liebe, die bis zum Tode führte.

Oper – Das war eine tolle Erfahrung. Und ich bin mir sicher, ich werde wieder in die Oper gehen. Meine liebe Begleitung sorgte für eine sichere Heimfahrt und fuhr bzw. schob mich nach der Aufführung bis vor meine Haustüre.

Und mir bleibt nur noch eins zu sagen.

DANKE

Und gute Besserung an die Unbekannte, der dieser wunderbare Abend leider verwehrt geblieben ist.

Warst du schon einmal in der Oper? Wenn ja wie hat es dir gefallen?
Falls nicht, vielleicht magst du es ausprobieren? Ich nehme dich gerne als Begleitperson mit, lass es mich wissen, wenn du eine Rollifahrerin brauchst. Und abschließend kann ich von ganzem Herzen behaupten:

Es ist nie falsch seine Vorurteile abzubauen und etwas Neuem eine Chance zu geben.

Eine Erfahrung ist immer eine Bereicherung. Auch wenn dabei heraus gekommen wäre, dass es nichts für mich ist.

Ich bin sehr dankbar, dass mir diese Möglichkeit gegeben wurde.

Und jetzt nichts wie raus. Der Frühling liegt in den Vorbereitungswehen und man kann schon seine ersten Köpfchen sehen. Egal ob es noch kalte Tage geben wird, vielleicht auch Wind, Eis und Schnee. Heute scheint die Sonne, da wo ich bin. Also hin zu ihr. Denn wie ich schon einmal geschrieben habe:

Die Sonne

Die Sonne
mein Lebenselixier
geh raus zu ihr.
Ahhh
Wunderbar.
Sie ist mein Lebensmeister
Sie weckt die Lebensgeister.
Die Sonne
mein Lebenselixier.
Ich danke dir!

Herzliche Grüße und bis nächste Woche

Deine Schmetterlingsdompteurin

 

 

 

 

 

By |2018-01-24T16:31:00+00:00Januar 24th, 2018|Gedichte, Meine Geschichten|Kommentare deaktiviert für Die Schmetterlingsdompteurin geht in die Opa!