Nichts als heiße Luft?

Hallo du,

eine anstrengende Woche liegt hinter mir. Und wie du sehen kannst, komme ich erst heute dazu, dir zu schreiben.

Zu allem Überdruss hatte ich diese Woche einen kranken Mann zu Hause. Er ist sehr pflegeleicht. Doch ist der Tagesablauf, und was man so zu tun hat, anders als wäre man alleine. Heute konnte er zum Glück wieder arbeiten gehen und ich bin sehr froh, dass es ihm besser geht.

Ja, mein Mann. 😍 Er hat sich heute morgen sogar bei mir bedankt, dass ich für ihn da war. Aber das ist doch das Mindeste was ich für ihn tun kann, wenn man bedenkt, wie viel er schon für mich getan hat. Alleine schon, dass er noch an meiner Seite verweilt, grenzt an ein Wunder. Ich bin ihm sehr dankbar, dass er all die Jahre immer zu mir gehalten hat. Und ich kann bestätigen, dass ich es ihm nicht immer leicht gemacht habe. Doch unsere vielen Gespräche und der Glaube an unsere Liebe, hat uns dort hin getragen, wo wir uns jetzt befinden.

Alle Menschen durchlaufen irgendwann in ihrem Leben mindestens eine Krise.

Und alle Menschen entwickeln sich im Laufe der Jahre weiter. Die einen mehr, die anderen weniger. Die einen nach vorne, die anderen zurück. Und so kann es sein, dass man plötzlich auf ganz unterschiedlichen Ebenen angekommen ist.

Ich bin froh, dass wir immer sehr offen und tolerant miteinander umgehen und dass wir die lange Zeit der Krisen aus- und durchgehalten haben.

Und wir machen uns immer wieder bewusst, warum wir zusammen gekommen sind.

Es war Liebe auf den ersten Blick.

Das darf man nicht vergessen. In schweren Zeiten verliert man das schnell aus den Augen und vermischt die Probleme mit dem Glauben, dass die Liebe nicht mehr stark genug sei. Man fängt an, seine Unzufriedenheit auf seinen Partner zu projizieren und merkt dabei nicht, dass man eigentlich nur an sich selbst beginnen müsste, etwas zu verändern.

Auf Grund unserer belastenden Situation durch die Erkrankung MS, haben wir früher eine Familientherapie gemacht. Die Therapeutin hatte uns ein Mobilé gezeigt, an dem vier Schiffchen hingen. Wenn sie ein Schiffchen angestoßen hat, begann sich kurze Zeit später das gesamte Mobilé zu bewegen. Sie wollte uns damit verdeutlichen, dass wir alle miteinander verbunden sind und wenn sich einer in einem System bewegt, hat das automatisch Auswirkungen auf die Anderen. Und so ist es auch, wenn einer an sich selbst arbeitet. Wenn er eine Entscheidung trifft um etwas für sich zu verändern damit es ihm besser geht. So wird auch das eine Veränderung im System bewirken.

Ich fand dieses Beispiel mit dem Mobilé sehr anschaulich.

Nur weiß ich jetzt ehrlich gesagt gar nicht mehr, was ich dir sagen wollte. Gestern ging es in meinem Entwurf um ein ganz anderes Thema. Und schon am nächsten Tag hat sich mein Leben weiterentwickelt und verändert und nicht mehr die gleichen Gedanken sind wichtig. Gestern sprudelte ein seltsames Gedicht aus mir heraus, bei dem ich mir nicht sicher war, ob ich das tatsächlich veröffentlichen soll. Also habe ich den Computer wieder ausgemacht und, Angesicht der Wetterlage, einen langen ausgedehnten Spaziergang mit einer lieben Chorfreundin unternommen. 

Als ich am Abend meinen Beitrag komplettieren wollte, erschien mir alles irgendwie seltsam und ich beschloss, am nächsten Tag weiter zu schreiben.

Und da haben wir den Salat.

Ein völlig neues Thema kam zu Tage. Wenn ich schreibe, habe ich keine Macht darüber, wo mich meine Finger hinführen. Heute ist mein Schmetterling hinausgeflogen. Er hat gesehen, dass es Menschen gibt, die im Moment sehr viel Mut und Durchhaltevermögen brauchen. Und Verständnis für Menschen, die sich auf einer anderen Entwicklungsstufe befinden als man selbst. Veit Lindau schreibt in seinem Buch „Werde verrückt“ dass Menschen, die sich gerade auf einer anderen Entwicklungsstufe aufhalten als man selbst, häufig mit Abwehr auf die klar formulierten Werte und Ziele einer anderen Ebene reagieren. Er schreibt weiter Bildhaft gesprochen, dass er nicht den anderen Menschen bekämpft, sondern sein geistiges Feld sich bedroht fühlt. Jetzt heißt es friedvoll im Austausch zu bleiben, damit es so auch bei ihm zu einer Entwicklung kommen kann. Wenn dies gar nicht möglich ist (Entwicklung kann man nicht erzwingen), wird er deine Realität verlassen. Auch das braucht man dann nicht mehr persönlich nehmen.

Das finde ich eine ganz interessante Ansicht, und wenn ich genauer darüber nachdenke, sehr hilfreich um mit den Reaktionen Anderer umgehen zu können. Das bezieht sich nicht nur auf die eigene Partnerschaft. In allen Beziehungen findet es Anwendung. In der Arbeit, bei Freunden, der Familie mit Kindern oder schwer erkrankten Personen, z.B. Demenzkranken. Doch an dieser Stelle beende ich meinen Ausflug in die Psychologie und staune darüber wo mich meine Reise heute schon wieder hingeführt hat.

Wie kann ich noch besser mit meiner Entwicklung und der der anderen umgehen? 

Soll ich dir jetzt verraten, was gestern aus meiner Feder bzw. meinen Fingern geflossen ist? Eigentlich wollte ich es wegschmeißen, weil ich mir nicht sicher war, ob ich mit so einem Text an die Öffentlichkeit gehen möchte. Aber schlimmer als mein Gesang kann es ja nicht kommen. Ich habe ein Gedicht geschrieben, das von einem Thema handelt, das uns im Grunde alle angeht. Den einen mehr, den anderen weniger. Ich glaube fast jeder hatte schon einmal eine Situation erlebt, in der man peinlich berührt war.

Mal überlegen….

….ok.

Ich habe mich entschieden, es dir zu zeigen, weil mein Blogbeitrag heute doch so ernst war. Ob du es liest, bleibt dir selbst überlassen.

Nichts als heiße Luft

Der Reim besteht aus Worten.
Aus langen und aus kurzen.
Er öffnet manche Pforten.
Da muss ich plötzlich……lachen.

Zum Glück, wer weiß was sonst geschehen.
Hätte ich es überlebt?
Ich müsste mir schon eingestehen,
dass ich der jemand bin, aus dem was schwebt.

Denn ich war ganz allein zu dieser Stund´.
Ach wie praktisch, hier ist kein jemand?
Ich öffne, denn es ist gesund
das Fenster mit der linken Hand.

Sicher ist sicher
Kicher, Gekicher.

Bei diesem Umstand ist es ehrlich
von Vorteil ganz allein zu sein.
Sonst wär es mir freilich peinlich.
Und man bezichtigte mich vielleicht als Schwein.

Trotzdem ist das weiter
keine große Sache.
Es ist halt doch gescheiter,
das zu machen was ich mache.

Denn raus muss nichts als heiße Luft.
Ich habe eine reine Weste.
Es ist ein ganz spezieller Duft.
Mein eigener ist der Beste.

Ich kann dir sagen, jeder muss mal.
Sei es der König oder Knecht.
Es passiert, wir haben keine Wahl.
Nur manchmal ist der Moment recht schlecht.

Mit diesem Gedicht schließe ich meine heutigen Ausschweife in die Welt der Liebe und der Luft.

Ich wünsche dir, eine Prise Sanftmut, ein Schlückchen Liebe, einen Sack voll Nachsicht und Verständnis für dich und andere und natürlich jede Menge Offenheit und Toleranz für die Entwicklungen des Lebens.

Denn morgen sind wir nicht mehr der oder die, der oder die wir gestern waren.

Und für heute fliegt mein Schmetterling weiter und sucht nach neuen Geschichten, die das Leben schreibt. Und er möchte an dieser Stelle erwähnen, wer dieses wunderschöne Titelbild, der „rosa Falter“ in Aquarell gemalt hat. Die Künstlerin heißt Anika. Ich sage ihr danke und bin mir sicher, von ihr werden wir noch viel hören und sehen. Bleibe gespannt.

Herzliche Grüße

Deine Schmetterlingsdompteurin

By | 2018-02-01T12:13:18+00:00 Februar 1st, 2018|Anika´s Kunst, Gedichte, Meine Geschichten|0 Kommentare

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