Planlos mit Plan

Hallo du,

wie schön, dass du mir auch diesen Mittwoch wieder Gesellschaft leistest. Ich freue mich, dich hier begrüßen zu dürfen.

Letzte Woche war es mir spontan ein Bedürfnis über das Thema Geburtstag zu schreiben. Eigentlich hatte ich geplant, dir von meiner Ernährungsumstellung zu erzählen. Doch wie es eben so ist, kann ich mir noch so viel vornehmen. Sobald ich anfange in die Tasten zu hauen, tippen die Finger eben das, was sie wollen, nicht das, was mein schlaues Köpfchen sich fein säuberlich überlegt hat. Und so führt es oft dazu, dass meine Entwürfe auf unbestimmte Zeit ins digitale Archiv wandern, bis sie letztendlich gelöscht werden.

Du wirst es mir vielleicht nicht glauben. Auch dieses Mal treiben meine Fingerspitzen so manchen Schabernack mit mir. Wollte ich doch heute über meine brandaktuelle Ernährungsumstellung berichten, entsteht hier plötzlich ein wirres Reimspektakel. Gedichtet vor ein paar Tagen, kam mir heute in den Sinn, es dir zur Schau zu stellen.

Der Ring

So endlos fast unendlich
scheint er sich im Kreise
zu drehen bis verständlich,
hui da kam schon eine Meise,

oder nein, ich irre was ich sah.
Es war ein Vogel der vom Schmuck besessen,
der schwarz und weiß gefiedert war.
Eine Elster, ihren Namen hätt ich fast vergessen.

Doch so hieß sie,
und klaute meinen Ring.
Sie war es, die noch krächzend schrie
bis ich sie mit meinem Netze fing.

Das nahm für dieses Federvieh
wohl kein gutes Ende.
Sie hatte auch kein Alibi.
So entfernte ich sie vom Gelände.

Niemand hier stiehlt einfach so
unbestraft mein Hab und Gut.
Ich sah noch wie sie eilig floh.
Sie ist jetzt auf der Hut.

Oben drauf auf jenem machte es ja keinen Sinn.
Dann säße sie auf meinem Kopf.
Mit einem Handschlag wär sie hin.
Ja, ja, es bringt mir Glück wenn ich auf Holze klopf.

Da haben wir also den Beweis, dass kaum ein Beitrag so geschrieben steht wie er ursprünglich geplant war. Es wird so lange gelöscht, kopiert und umgeschrieben, bis am Ende doch nichts mehr so ist, wie es war. Verstehst du das?

Planlos mit Plan.

Hast du einen Plan für dein Leben? Und schmeißt du ihn dann auch spontan über den Haufen, weil dir etwas anderes in den Sinn kommt?

Manchmal ist es ganz ratsam sich an seine Vorgaben zu halten. Doch hier kann ich es mir zum Glück hin und wieder erlauben, alles anders zu machen als gedacht.

Wer hätte das gedacht? 

Früher war ich fast schon besessen von Ordnung und Struktur.
Wenn Besuch kam da glänzte das WC und auch der Flur.

Hui das reimt sich ja schon wieder. Aber keine Angst. Das war keine Absicht. Und wird sofort unterlassen. Du weißt ja, erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Heute lass ich mich immer mehr vom Leben führen und ich finde. es entstehen gerade dann die schönsten Dinge, einfach so, unverhofft und ungeplant. Oder glaubst du ich habe vor gehabt, schon zwei Wochen vor Beginn der Adventszeit einen Adventskalender ins Wohnzimmer zu hängen? Ist einfach so passiert. Wir haben ein Bild von einem Tannenbaum aus Ästen gesehen und schwups haben wir angefangen zu basteln. Jetzt hängt er da, quält die Kinder mit Fragen, was sich wohl hinter dem Geschenkpapier verbirgt und lässt Raum für Spekulationen. Die Vorfreude ist doch bekanntlich die schönste Freude. Und für diese haben wir jetzt noch genug Zeit.

Auch wenn ich noch nie viel davon gehalten habe, es so zu machen wie es sich gehört, war ich früher alles andere als spontan. Doch irgendwie beobachte ich an mir eine Veränderung. Ich habe hin und wieder das Gefühl, dass ich, obwohl behauptet wird, dass Menschen im Alter starrer werden, der Spontanität zugeneigter werde.

Ich muss dazu sagen, dass so eine Verhaltensänderung nicht so mir nichts dir nichts in mein Leben marschiert. Auch gibt es hin und wieder ein paar kleine bis mitttelgroße Aussetzer, die sich wie Rückfälle eines Drogenabhängigen anfühlen. Damit meine ich, dass es Situationen gibt, in denen ich in meine alten Muster zurückfalle. Doch im großen und ganzen habe ich das Gefühl, dass ich spontaner als jeher in meinem Leben bin. Und das zeigt sich nun auch an diesem Blogbeitrag. Ich reflektiere hier mein Leben vor mich hin und wollte dir eigentlich nur erzählen, dass ich seit 4 Wochen im Schweinestall mit High five begrüßt werde und die Kühe mit ihren Glocken Halleluja klingeln, wenn sie mich erkennen. Wer weiß, vielleicht entwickelt sich durch den Entzug von tierischem Eiweiß eine Erstverschlimmerung meines sekundär latenten Rinderwahnsinns?

Und wenn schon.

Ich werde dir, versprochen, nächste Woche genauer über meine Ernährungsumstellung Bericht erstatten. Das ist ein ernsthaftes und wichtiges Thema. Doch heute hat das offensichtlich keinen Zweck.

Ich dichte jetzt noch ein bisschen stille vor mich hin,
weil ich in dichter Stimmung bin.

Und an allen Tagen mit „g“ freue ich mich auf Mittwoch.

Ich wünsche dir eine Woche voller Frohsinn und warmen Tee.
Bleib spontan und halt die Ohren warm.

Herzliche Grüße

Deine Schmetterlingsdompteurin

By | 2017-11-22T08:30:40+00:00 November 22nd, 2017|gedichtete Geschichten, Meine Geschichten|0 Kommentare

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