Es war einmal…

Hallo du,

heute entführe ich dich 

ins magische Reich der Märchen.

Das war, wie du dir vielleicht denken kannst, nicht geplant. Ich fange aber nicht noch einmal von vorne an zu schreiben. Es ist wie es ist. Also, komm mit ins Märchenreich.

Damit du in Märchenstimmung kommst und du dich in die Geschichte leichter einfühlen kannst,  schließe für einen kurzen Moment deine Augen. Stell dir vor, es ist dunkle Nacht. Um dich herum steigt weißer Nebel empor. In der Ferne schreit ein Uhu – um Hilfe, weil er an einem Ast kleben geblieben ist. Märchenhafte Musik erklingt. Äste knarren, Laub raschelt. Eine Fledermaus flattert.   

Hui….                                                                                   ✨
Die Märchenstunde beginnt:       ✨

Vor gar nicht allzu langer Zeit, trug es sich zu, dass in einem verwegenen Städtchen namens München, an jenem Dienstag mitten in der Woche, ein armes Mädchen unverdrossen an ihrem Spinnrad saß. Ihre Stiefmutter hatte ihr aufgetragen, immer pünktlich, wenn die Tage, ihr „g“ verlierten, einen Buchstabenfaden zu weben, den die ganze Welt zu lesen bekommen sollte. Ihre Hände schmerzten. Sie weinte leise. Würde sie es diese Nacht schaffen, den Buchstabenfaden zu spinnen, ehe die Turmuhr zwölf geschlagen hat? Die Spindel drehte sich weiter und weiter. Ihre Hände bluteten. (Diese Übertreibung brauchen wir jetzt für die Dramatik.) Immer wieder rutschten ihr Satzzeichen und Buchstaben von der Schnur. Unerlässlich versuchte sie alles wieder einzusammeln. Doch es war zwecklos. Sie wusste nicht, an welche Stelle sie diese Teile wieder einfügen sollte. Sie war verzweifelt, denn ihr war klar, dass es fatale Folgen haben könnte, wenn auch nur ein kleines Komma nicht richtig hing. Ihr Großvater hatte so, vor vielen Jahren, sein Leben verloren, als sie einen Fehler machte und ein Komma an die falsche Stelle setzte. Eigentlich wollte sie ihn zu Tisch bitten. Doch bemerkte sie ihren Fehler erst, als es zu spät war. So wurde er selbst zum Mahl, denn auf ihrem Buchstabenfaden stand geschrieben:           ✨

✨             Komm, wir essen Opa.   

Und schon war es um ihn geschehen. Ein tragisches Ende. Seit diesem Tage, zittern ihre Fingerspitzen vor Angst, wieder einen Fehler zu machen. Doch sie hatte keine Wahl. Sie musste fertig werden, ehe der große Zeiger zusammen mit dem Kleinen die Zwölf überquerte.

Sie war ein gehorsames Mädchen und spann tapfer weiter. Sie versuchte sich mit einem Liedchen, das ihr Großvater ihr beigebracht hatte, zu beruhigen.

Immer wieder mittwochs kommt die Dompteueurin,
dibidibidibdib dib                                               
Hörst du ihre Tasten tippen?               
Schreibt sie fleißig ihre Lieder                                  
hier in Druckschrift für dich nieder.
Immer wieder mittwochs kommt die Dompteueurin.

Kennst du dieses Lied? Ich glaube später haben es Cindy und Bert mit neuem Text gecovert und damit einen Wahnsinns Hit in der Schlagerbranche gelandet. „Sonntags“ kommt wohl besser an. Aber das tut hier nichts zur Sache. Wir gönnen ihnen den Erfolg. Das Mädchen hat jetzt ganz andere Sorgen.

In ihrer Not und Verzweiflung sprach sie zu den Engeln und bat flehend um Hilfe und flüsterte in die dunkle Nacht:

„Bitte liebe Engel, helft mir! Helft mir, meinen Buchstabenfaden in die richtige
✨     Reihenfolge zu bringen, ihr seid meine letzte Rettung.“ 

Im selben Augenblick sank sie erschöpft zu Boden und verlor ihr Bewusstsein. Es wurde still um sie herum. In ihrer Ohnmacht ertönte ein leiser Chor und der Nebel schickte ein helles Licht zur Erde. Es ward als träumte sie, wie plötzlich wahrhaftig ein Engel mit goldenem Haar vor ihr stand. Er war so schön, dass sie von seinem Antlitz geblendet war. Und so erträumte sie sich eine Sonnenbrille, die ihr Augenlicht schützte. Der Engel kam direkt zur Sache und erklärte ihr, dass sie offensichtlich kein Händchen für Rechtschreibung und Kommasetzung hätte. Er machte nicht gerne einen großen Bogen um den heißen Brei, probierte einen Löffel deselbigen und sprach mit vollem Mund: „Na, welchen Fall haben wir denn hier? Ist dir ein Komma davon gelaufen und du weißt nicht wohin es gehört? Oder haben wir im Deutschunterricht nicht richtig aufgepasst?“

Der Engel schwang seinen roten Zauberstab und markierte all die Stellen, an denen dieses kleine und doch so bedeutsame Strichlein fehlte. Und saß ein Buchstabe einmal nicht am richtigen Fleck, so wurde auch dieser von ihm berührt und an seinen rechten Platz geführt. Als alles wieder dort hing, wo es hingehörte, verschwand der Engel mit einem leisen Knall und hinterließ eine feine Spur aus goldenem Sternenstaub. (das würde er wahrscheinlich auch rot anstreichen, denn ein leiser Knall ist ja ein Widerspruch in sich. Aber er ist ja schon weg, da kann das stehen bleiben)  

                ✨
Das Mädchen lag unterdessen wie benommen auf dem Boden. Als das Licht verschwunden war, öffnete es vorsichtig seine Augen und fand allmählich wieder zur Besinnung. Es zog verwundert seine Sonnenbrille ab und schaute sich fragend um: „Was ist geschehen?“ Es sah seinen Buchstabenfaden und konnte sein Glück kaum fassen. Alle verlorenen Satzzeichen und Buchstaben haben ihren Platz wieder eingenommen. Der Faden war von Gold durchwoben und schöner als je zuvor. Sie dachte: „Die Stiefmutter wird zufrieden mit mir sein.“ Im selben Augenblick lichtete sich der Nebel und ließ das Licht des Mondes auf sie scheinen. Das Mädchen stand vorsichtig auf und als sie sich umsah, entdeckte sie eine goldene Nachricht, die im Mondschein glitzerte, auf der geschrieben stand:

„Liebes Mädchen,

dieses Mal habe ich dir geholfen. Aber nimm dich in Acht.
Wenn das jemand merkt, dass da mal keiner lacht.“

Als sie das las, lachte sie und sprach: „Also war das doch nicht nur ein Traum?“
Überglücklich rannte sie zu ihrer Stiefmutter und überbrachte ihr, pünktlich auf die Sekunde, den fertigen Buchstabenfaden, der ab sofort für jedermann zu lesen war. So waren alle zufrieden

und wenn sie nicht gestorben sind, spinnt das Mädchen noch heute. Wirre Geschichten.

-ENDE-

Und wie das Leben so spielt, kenne ich dieses Mädchen. Diese Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit. Denn manchmal geschieht es auch in echt, dass einem plötzlich ein Engel mit blondem Haar erscheint, der Tacheles redet. Aber sei unbesorgt. Der Teil mit dem Opa ist frei erfunden. Er wurde nicht aufgegessen. Ja, und das mit der Stiefmutter ist natürlich auch dazu gedichtet. Und der Uhu ist nicht in echt kleben geblieben. Und das Mädchen hatte logischerweise kein Spinnrad. Ach, eigentlich stimmt an der Geschichte nur, dass ihm jemand gesagt hat, dass hier und da ein Komma fehlt. Aber das wäre doch langweilig gewesen. So hat das doch viel mehr Spaß gemacht, oder?

Und wie jedes Märchen eine Moral in sich birgt, kann ich auch hier eine Lehre für mich ziehen.  Liebe Kinder, lest das bitte!

Ich hätte im Deutschunterricht besser aufpassen sollen.


Denn so war das früher:

Buchstabenkombinationen.

Da ich zwar zur Schule ging,
weil daran meine Bildung hing
hoffte mein Vater es würde sich lohnen.

Beim Lesen zum Beispiel der Tagespresse
oder der Zutaten von dem was ich esse,
da gibt es keine Diskussionen.

Auch später bei der Berufsauswahl
entscheidet diese Notenzahl.
Letztendlich auch über unsere Pensionen.

Früher war ich leider nicht so schlau
und machte zwischen den Pausen blau.
Somit fehlen mir wichtige Informationen.

Kurz vor dem Abi schmiss ich es hin.
Weil ich ein trotziger Teenager bin.
Also war, natürlich so doof wie Zitronen.

Da ist der Spruch nicht mehr weit entfernt.
Dumm geboren und nichts dazu gelernt.
Aber das sind nur Spekulationen. 

Nur Spekulationen. Ja, genau. Wir sind schließlich nie zu alt um dazu zu lernen. Doch alt genug, um selbst zu entscheiden, was wir lernen möchten.

Vielleicht schreibe ich deswegen auch lieber Gedichte? Dort gibt es nämlich keine Regeln für Satzzeichen. Komma hin oder her, kann man machen wie man Lust hat.

Ich habe andere Qualitäten und an mich selbst nicht den Anspruch, in allem perfekt zu sein.

Genauso unperfekt erscheint heute mein aktueller Blogbeitrag. Der mal wieder ordentlich das Thema verfehlt hat. Denn eigentlich war für heute vorgesehen, von meiner Ernährungsumstellung zu berichten. Aber ehrlich gesagt, ist das mittlerweile auch kalter Kaffee.

Doch um mein Versprechen nicht ganz zu brechen, hier die Kurzversion meiner Ernährungsumstellung:

Ich esse vegan, lactose- und glutenfrei, trinke keinen Alkohol und verzichte weitestgehend auf Zucker.
Rüdiger Dahlke hat mir mit Detox und Fasten bei der Umstellung geholfen.

Wenn du mehr über ihn erfahren willst, kannst du auf seinen Namen klicken. Wenn du mehr über mich erfahren willst, kannst du mir entweder eine Nachricht schreiben, die ich dir sicher gerne beantworten werde. Oder du schaltest auch nächste Woche wieder ein, wenn es heißt: Immer wieder mittwochs kommt die Dompteureurin, dibidibidibdib dib

Und zum Schluss habe ich noch einen Wunsch für dich ans Universum geschickt.
Ich wünsche dir immer genug Phantasie, um an den unsichtbaren Sternenstaub in deiner Hosentasche zu glauben. Denn Glitzer macht das Leben schöner.

Alles Liebe wünscht dir

deine Schmetterlingsdomteurin

 

By | 2017-11-29T13:28:58+00:00 November 29th, 2017|Gedichte, Märchenstunde|0 Kommentare

Hinterlasse einen Flügelschlag

Captcha: Bitte ergänze die Rechnung, damit wird überprüft ob du ein Mensch bist. * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.