Wenn das Leben Früchte trägt

Hallo du,

wenn das Leben Früchte trägt bin ich natürlich nicht schwanger. Aber mir fällt da gerade ein Vergleich ein. Ob sinnvoll oder nicht, darüber können wir gerne diskutieren. Weißt du wie sich eine Erdbeerpflanze vermehrt? Sie bildet kleine Ableger, und berühren sie irgendwo die Erde schlagen sie Wurzeln und wachsen an. Und mit ein bisschen Glück tragen sie ein Jahr später kleine Früchte.

Und jetzt stell dir vor, meine Texte wären kleine Erdbeerpflanzen. 

Nachdem eines meiner Zitate aus meinem Blog in der Süddeutschen Zeitung gelandet war, kontaktierte mich Focus.de und veröffentlichte meinen ersten Gastbeitrag. Daraufhin bekam ich eine Email von einer Redakteurin des DMSG Bayern. Sie fragte mich ob ich Interesse an einem Interview hätte. Freudig und spontan willigte ich ein und es dauerte nicht lange bis sie an meiner Tür klingelte.

Bei Hefezopf, selbst gemachter Erdbeermarmelade und einer warmen Tasse Kaffee machten wir es uns auf dem Sofa gemütlich. Ihre erste Frage ob ich damit einverstanden sei, dass sie unser Gespräch aufnehme, ließ  mein Herz kurzfristig schneller schlagen. Alles aufnehmen was ich sage? Ehe ich länger darüber nachdenken konnte willigte ich ein. Eigentlich waren wir sowieso schon mittendrin – im Interview.

Wir hatten ein tolles Gespräch. Es fühlte sich so vertraut an, dass man nicht mehr von Interview sprechen kann. Mir saß ein sehr emphatischer Mensch gegenüber, der mir das Gefühl gab, echt an meinen Antworten und meinem Leben interessiert zu sein. Wir saßen da wie zwei Freundinnen, die sich lange nicht mehr gesehen und sich viel zu erzählen hatten.

Interessanterweise habe ich in der darauffolgenden Woche mit meiner Tochter GNTM angeschaut.  Die jungen Models wurden von der Zeitschrift BUNTE interviewt mit dem Ziel eine Interessante Schlagzeile zu bekommen.  Auf ihre Privatsphäre wurde keine Rücksicht genommen.

Ich bin genauso naiv und unvorbereitet in das Gespräch gegangen wie die meisten Mädchen. Die Fragen habe ich ehrlich beantwortet. Und ich habe nicht darüber nachgedacht, dass alles, was ich sage, also jedes Wort abgedruckt werden könnte. Und noch weiter gedacht. Jeder Satz aus dem Zusammenhang genommen könnte mich in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen. Für einen Moment musste ich an diesen Satz denken:

Einmal entsandt fliegt das Wort unwiderruflich dahin.
Horaz

Ja, einmal ausgesprochen fliegen meine Worte ins Universum. (das tun sie natürlich auch schon wenn ich sie denke. Doch was ich denke, steht nicht gleich in irgendeiner Zeitung. Das hört nur der Kosmos und ich.) Doch was ich ausspreche kann jeder hören, und das Diktiergerät merkt es sich.

Für diese Erkenntnis war es jetzt allerdings zu spät. Gesagt ist gesagt. Das wurde mir klar, als mir die Redakteurin ihren Entwurf zuschickte. Während die BUNTE auf eine Sensation, die den Verkauf der Zeitung in die Höhe treiben soll, aus ist, hat meine Interviewpartnerin zum Glück nicht auf die Schlagzeile ihres Lebens abgezielt, sondern war schlicht und ergreifend an einem ehrlichen und informativen Bericht interessiert. Das vertraute Gefühl war also keine Täuschung. Sie fragte mich, ob ich mich in ihrem Text wieder erkennen kann. Sie erzählte mir, dass sie Mühe hatte, alle Informationen unseres doch sehr emotionalen Gesprächs zusammen zu fassen. Denn ihr erging es wie mir. Unser Gespräch fand auf einer sehr persönlichen Ebene statt. Und so bat sie mich um eine Rückmeldung. Darüber war ich sehr froh und dankbar, denn ihr Entwurf zeigte mich nicht so wie ich heute bin.

Da habe ich aber Glück gehabt, dass es nicht die BUNTE war, die mich interviewt hatte.

Auch wenn ich gelernt habe, dass man aufpassen muss, was man einer Journalistin anvertraut, würde ich es wahrscheinlich wieder so machen. Ich glaube an das Gute im Menschen und vertraue meinem Bauchgefühl. Ich habe nichts zu verbergen. Ich stehe zu dem was ich tue und wer ich bin. Außerdem glaube ich, dass jeder, der meinen Blog liest, sowieso schon ziemlich viel über mich und mein Leben weiß.

An dieser Stelle möchte ich an meine Interviewerin einen ganz herzlichen Dank für das vertrauensvolle Gespräch auf meinem Sofa aussprechen. Danke dafür, dass meine Pflanze einen kleinen Ableger geschenkt bekommen hat.

Und jetzt muss ich dir noch von einem anderen Ableger erzählen. Das hätte ich beinahe vor lauter Interview vergessen. Du weißt doch dass ich in einem Chor singe. Wenn nicht dann weißt du es jetzt. Was das mit den Erdbeerpflänzchen zu tun hat? Das möchte ich dir gerne erzählen. Am 28.05.2017 geben wir ein Frühlingskonzert in München und sammeln Spenden für die Kinder von Aleppo.

Wir singen Lieder Querbeet, die von Gedichten umrahmt werden. Von meinen Gedichten! Ist das nicht toll? Unsere Chorleiterin liest die Texte vor als wären sie ihrem Herzen entsprungen. Bei der letzten Probe hat sie mich durch ihre Art zu lesen mit einem Schauer Gänsehaut berührt. Es erfüllt mich mit tiefer Dankbarkeit, dass ich unser Konzert mit meinen Texten bereichern darf. Und mein Erdbeerplfänzchen hat einen neuen Ableger bekommen.  

 

Ja, und jetzt hoffe ich, dass dir Erdbeeren genauso gut schmecken wie mir.

Schau mal in deinen Lebensgarten. Findest du auch ein Pflänzchen das gerade dabei ist, Ableger zu bilden? Ich wünsche dir, dass deine Pflanzen wachsen und gedeihen. Erzähle mir gerne von deinem Garten. Ich freue mich auf deinen Kommentar hier unter diesem Beitrag.

Und vielleicht sehen wir uns bei unserer Choraufführung. Ich würde mich freuen.

Herzliche Grüße

Die Schmetterlingsdompteurin

Eva

 

 

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