Keiner kann Heilen oder Gesundmachen

Hallo du,

nach meinem letzten Blog fragte mich meine Schwester, ob ich denn trotzdem noch daran glaube, wieder gesund werden zu können.

Glaube ich wirklich noch dass ich gesund werden kann?

Im ersten Moment habe ich natürlich „Ja“ geantwortet. Schließlich habe ich das in aller Öffentlichkeit durch mein Buch untermauert. Da wäre es unglaubwürdig, wenn ich plötzlich meine Meinung ändere, oder nicht?

Ich habe eine lange Zeit darüber nachgedacht. – (dafür ist doch der Gedankenstrich gedacht, oder. Und wenn ich lange gedacht habe mache ich zwei hin) – – Glaube ich selbst noch an meine Heilung?

Zu diesem Gedankenresultat bin ich gekommen: Nein, ich glaube nicht mehr daran.

Oh, Gott. Was habe ich da gesagt? Ich fühle mich Hundeelend. Ich fühle mich wie eine Verliererin. Ich bin nicht nur eine Verliererin, nein. Ich habe verloren. Alles was ich wollte, war gesund zu werden und die ganze Welt daran teilhaben zu lassen.

Und jetzt? Jetzt habe ich alles verloren. Sogar meine Hoffnung.
Hoffnungsschimmer

Hoffnung, wo krieg ich dich nur her,
in meinem Herzen scheint alles leer.
Auf meiner Stirn die Sorgenfalten,
sie regieren und verwalten.
Sie beherrschen Freud und Leid.
Engelchen und Teufelchen haben Streit.
Engelchen ist leis und sacht,
denn Teufelchen ist an der Macht.
Er drückt mit Kraft die Augenlider,
die gute Laune einfach nieder.
So lange bis das letzte Stück
der Hoffnung weggedrückt.

Und ehe ich mich wehren kann,
ist auch dieser Tag vertan.
Keinen Spaß gehabt, kein Wort zu nichts und niemand.
Ich starre schweigend an die Wand und sehe
wie das Engelchen verschwand.
Jetzt gibt es nur noch einen
der das traurig sein und weinen
stoppen kann.
Schau an,
das bin ich, ich kämpfe weiter
gegen teuflisch miese Sorgenfaltenreiter.
Und wie durch Zauberhand
Sagt mir leise mein Verstand.
Du darfst eines niemals nicht aufgeben.
Es ist die Hoffnung, die du brauchst zum Leben.

Und im selben Augenblick,
reißt der Himmel auf, ein kleines Stück.
Ich kneif die Augen zu,
schließlich wollte ich heute meine Ruh.
Doch die Sonne flüstert in mein Zimmer.
Hey du, ich bin dein kleiner Hoffnungsschimmer.
Nimm mich und halt mich fest.
Und der Rest?
Warm ist er, der Sonnenschein.
Der Rest, er kommt von ganz allein.
Wirst sehen,
wirst stehen,
wirst gehen.
Und mit ein bisschen Glück
kommt mein Engelchen zu mir zurück.

Aus dem Buch „Die Schmetterlingsdompteurin – Multiple Sklerose, wie der Flügelschlag eines Schmetterlings mein Leben veränderte“ 

Mir wurde gesagt, dass ich, so lange ich kämpfe, mit Verschlechterungen zu rechnen habe. Ich müsse lernen das was ist anzunehmen. Ich habe es versucht. Doch alles ist schlechter denn je, und somit bin ich in einer ausweglosen Situation angekommen und es bedeutet für mich:

Kapitulation. Aufgeben. Aus der Traum. Das wars. 

Ich bin einer Schnapsidee, einem ungeheuerlichen Hirngespinst hinterhergejagt. Wer glaubt denn so was, dass man sich selbst heilen kann. Lächerlich. Ich bin ja höchsten der Beweis für das Gegenteil. Ich sehe schon wie sie lachend vor mir stehen und über mich spotten. Es ist Zeit klein beizugeben. Ich bin eine von denen. Eine die MS hat. Eine von denen, die sich der Diagnose und dem Machtwort des Arztes untergeben muss. Die anderen haben sich mit der Erkrankung auch abgefunden und akzeptiert, dass sie ihr Leben als MS-Kranke und möglicherweise auch als Behinderte leben müssen. Doch was ist mit meiner Vision? War das alles für die Katz? Ich habe ein Buch verkauft, in dem ich schrieb, dass die Lösung in mir selber liegt. Ich war mir ganz sicher.

Und jetzt?

Jetzt wartet der Rollstuhl auf mich.

Der Alptraum wird Realität. Den Rest meines Daseins werde ich als Behinderte fristen.
Was für eine Aussicht. So war das nicht geplant. Ich wünschte mein Leben wäre ein Kassettentape. Dann könnte ich es  zurückspulen und schauen wo mir der Fehler unterlaufen ist und könnte ihn dann korrigieren. Irgendwo bin ich falsch abgebogen und habe mich verlaufen. Ich sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.

Wie finde ich aus dem Selbstheilungslabyrinth wieder heraus? Wie kommt es dass mich eine simple Frage so aus der Bahn wirft?  Glaubst du daran dass jeder Mensch sich selbst heilen kann? Egal welche Symptome er hat?Es gibt nur wenig Menschen in meinem Umfeld die das so sehen wie ich und mich auf meinem Weg unterstützen. Zu wenige um mich aufbauen zu können damit ich jetzt nicht aufgebe.

In letzter Sekunde fiel mir ein, dass ich nicht alleine bin. Wie konnte ich das nur vergessen? Sie warten doch nur darauf mir helfen zu können. Zum Glück habe ich die Chance noch rechtzeitig bemerkt und einen Hilfeschrei nach oben abgegeben. Ich habe die Engel um Hilfe gebeten, mir ein Zeichen zu schicken. Und siehe da. Am nächsten Tag schalte ich den Computer an und dieser Vortrag fällt mir in den Schoß. Siehe selbst,  „Keiner kann Heilen oder Gesundmachen“ von Prof. Dr. Gerald Hüther  Er ist unglaublich interessant und begegnet mir genau im richtigen Moment. Er hat mich sozusagen vor der endgültigen Aufgabe gerettet. Danke.

Beinahe hätte ich es zugelassen, dass ich nicht mehr an meine Vision glaube. Doch zur richtigen Zeit habe ich mir meine Sorgen von der Seele geschrieben und du hast mir geduldig zugehört. Und in aller letzter Sekunde haben die Worte von Prof. Dr. Gerald Hüther mir die Hoffnung zurückgegeben, dass ich es schaffen kann.

Ich bin nicht alleine mit der Annahme, dass die Lösung in jedem Mensch selbst liegt und jeder in der Lage ist sich selbst zu heilen. Und wenn du dir den Vortrag aufmerksam angeschaut hast, dann weißt du so wie ich, dass es u.a. auf die Haltung ankommt, mit der wir etwas machen. Und deshalb übe ich jetzt bei jedem Schritt zu sagen:

Jeder Schritt bedeutet Glück.

Statt darüber zu schimpfen, wenn ich wieder nicht sehr weit gekommen bin.

Ich weiß: Jeder Mensch kann seine Symptome selbst heilen. Und dafür ist es nie zu spät.

Mit diesen Gedanken ende ich meinen Beitrag und versuche jedem Tag meiner Selbstheilung völlig neu und offen zu begegnen. Vielleicht gelingt es mir eines Tages meine Haltung, die ich durch meine Erfahrungen eingenommen habe so zu ändern, dass ich die Heilung in mein Leben einladen kann.

Ich wünsche dir viel Kraft für die Herausforderungen deines Lebens und hoffe, dass du immer zur richtigen Zeit ein Zeichen geschenkt bekommst, das dir deinen Weg erhellt und zeigt welcher der nächste Schritt zu deinem Ziel ist.

 

Alles Liebe

Deine Schmetterlingsdompteurin

 

 

By | 2017-03-08T22:34:48+00:00 Februar 12th, 2017|Gedichte, Meine Geschichten|0 Kommentare

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