Mein Leben mit MS

Hallo du,

die Sonne scheint, das ist das einzig Schöne heute. Ansonsten würde ich mich gerne irgendwo verkriechen und warten bis mein Leben zu Ende ist. Denn was ist das schon für ein Leben? In dem ich mir immer anhören muss, es könnte ja auch schlimmer sein. Man muss mit dem zufrieden sein was man hat. Ich kotze. Demjenigen ins Gesicht der das zu mir sagt. Denn der kann sich nicht im Entferntesten in diese beschissene Lähmung hineinversetzen. Die ist mal stärker und mal schwächer. (an dieser Stelle entschuldige ich mich für meine Ausdrucksweise. Es ist nur so eine Art Wut in mir und wenn ich die mal rauslasse geht es mir besser. Eigentlich finde ich mich selbst zum kotzen, wenn du verstehst was ich meine)

Heute schlägt die Lähmung voll und ganz zu. Schon in den letzten Tagen bin ich ohne äußere Einwirkung immer wieder einfach so umgefallen. Mal habe ich mich gerade noch elegant zur Seite rollen können. Dann wiederum bin ich ungebremst auf meinem Bauch gelandet. Nicht schön. Ich gehe wie eine Ballerina auf einer Hüpfburg. Nur nicht so elegant. Also gehe ich wie ein Ballett tanzender Elefant auf einer Hüpfburg. Mit der ständigen Angst beim nächsten Schritt ist es wieder soweit. Nur würde ich auf einer Hüpfburg weicher landen.

Plumps.

Herzchen

In meinem vorletzten Blog habe ich von Ehrlichkeit gesprochen. Und das bin ich. Im Moment habe ich mein Ziel aus den Augen, vielleicht sogar den Glauben daran verloren. Im Moment komme ich mir vor als wäre es an der Zeit zu kapitulieren. Aufzugeben und zuzugeben, dass alle Recht haben. Nur ich nicht.

Und da sind wir bei einem entscheidenden Thema. Recht haben. Geht es mir nur darum? Recht zu haben? Allen endlich zu beweisen, dass MS eben doch heilbar ist? Allen zu zeigen, dass wir nur Versuchskaninchen der Pharmaindustrie und der Ärzte sind? Dass sie einfach nicht sehen können wozu Krankheiten eigentlich da sind und wie sie wirklich entstehen?

Auf Amazon bin ich hart kritisiert worden. Ich wurde als trotziger Teenager bezeichnet. Das ist mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Das klingt jetzt vielleicht paradox, aber ich möchte mich für diese Kritik bedanken. Sie arbeitet in mir und irgendwann werde ich verstehen, was es mit mir zu tun hat.

Was hat das mit mir zu tun?

So, diese Frage lasse ich jetzt hier einfach mal so stehen. Eine Antwort bekommst du in meinem nächsten Blog.

Bis dahin lies dieses Gedicht. Wahrscheinlich geht es auch vielen anderen MS Kranken so wie mir im Moment.

Leben mit MS

Das Leben geht auf, das Leben geht ab.
Hin und her
mal leicht, mal schwer.
Manchmal so stark und plötzlich ganz schlapp.

An einem Tag fühle ich mich kinderleicht.
Bäume ausreißen,
Rollator wegschmeißen.
Doch pass auf, kein Tag dem anderen gleicht.

Denn ehe du deine Leichtigkeit genießt
holter die polter
rumpel und stolper.
Die Schwere dir schon in die Beine schießt.

Ja, so ist MS, überraschend wäre freundlich ausgedrückt.
Hinterhältig und gemein
so kann sie sein.
Ich merke ich kippe, während ich für dich eine Blume gepflückt.

PS: mein Mann meint, da fehlt ein Verb. Hat er schon Recht. Doch das musste ich weglassen damit es sich reimt. Ist ok, oder? Ansonsten schenke ich dir hier jetzt ein „habe“ dann passt es wieder.

Ich wünsche dir ein erholsames Wochenende. Und denke dran, es könnte immer schlimmer kommen.
Wahrscheinlich ist das auch der Grund warum wir uns ständig mit Problemen anderer beschäftigen, dann erscheinen die eigenen nicht mehr so groß.

Herzliche Grüße
Die Schmetterlingsdompteurin

Eva

 

By | 2017-03-08T22:34:49+00:00 März 4th, 2016|Gedichte, Meine Geschichten|0 Kommentare

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