Ein Blick in meinen Kopf… ganz ohne MRT

Hallo du,

heute gewähre ich dir einen Blick in meinen Kopf, denn das geht auch ohne MRT:  

„Ach wie ist das schön.

Es ist als hätte jemand meine Batterie über Nacht vollgeladen.

Ein Tag, an dem ich vor Energie nur so strotze.

Ich sauge, putze und bringe das Haus auf Vordermann.

Und freue mich.

Ich schöpfe Hoffnung, dass ich auf dem richtigen Weg bin und bald symptomfrei durch die Welt schlendern kann.

Doch dann.

Der nächste Tag.

Es ist als hätte jemand meine Batterie über Nacht entleert

Auf meiner Stirn drückt etwas die Augenbrauen nach unten.

Ich bin müde und will lieber schlafen.

Der Antrieb fehlt und am Abend stelle ich fest dass ich außer einer Internetbestellung beim Biobauernhof nichts auf die Reihe gekriegt habe.

Ich werde traurig.

Ich sitze da und denke nach.

Darüber, dass diese Krankheit einfach keine Ruhe gibt.

Und plötzlich geistern viele sinnlose Gedanken durch meinen Kopf.

Warum verschwinden sie nicht? Diese Symptome?

Warum muss mein Leben immer wieder so anstrengend und mühsam sein?

Wie lange halte ich das noch durch?

Meine Kinder, mein Mann, sie müssen so viel aushalten und immer wieder auf mich Rücksicht nehmen.

Ich mute ihnen zu viel zu. 

Ohne mich wäre das Leben einfacher für sie.

Und schon stecke ich mitten drin, im Schlamassel.

Meine Gedanken sind nicht aufzuhalten.

Ich armes Würstchen.

Was ist denn das für ein Dilemma.

So sehr sehne ich mich nach diesem Gefühl von Freiheit, Kraft und Lebensfreude.

Wenn man ein gutes Lied im Radio hört und einfach anfängt zu tanzen.

Das habe ich schon lange nicht mehr erlebt.

Und dann ist da noch dieser Wunsch es allen beweisen zu können, dass es eben doch geht.

Einfach so gesund werden.

Aber so glaubt mir das doch keiner.

Es fühlt sich an, als zeigten sie mit ihren Fingern auf mich und lachten mich aus. 

Soll ich weiter machen? „

HILFE! STOPP! ANHALTEN! 

MRT1Jetzt wird es Zeit, dass du mich aufweckst. Ich habe gerade so wirres Zeug geträumt. Fürchterliche Gedanken, die mein bisschen Lebenskraft versuchen zu erdrücken.

Doch was bringen sie mir?

Dass ich noch tiefer in die Krise rutsche, in das Gefühl nichts Wert zu sein?

Und dann ertappe ich mich wie ich dabei bin, an meinem Weg vorbeizulaufen. Das, was andere sagen, lenkt mich auf einmal ab und lässt mich vor meinem wahren „das bin ich“ erblinden. Nur weil sie behaupten, dass MS unheilbar ist, nur weil sie nicht sehen, wie Krankheiten wirklich entstehen und wieder gehen, nur weil sie nicht verstehen können, wie Heilung geschehen kann, nur weil sie anders denken muss ich mich doch nicht verunsichern lassen. Da ich eben noch auf sehr wackeligen Beinen gehe kann es schnell passieren, dass ich anfange zu schwanken.

Und platsch, gestolpert.

MRT2Doch dann ist da noch die dünne Haut. Sie konnte nicht standhalten und so landeten die Stiche direkt in meinem Herz. Ausgelöst von Schwertern, die genau in einen wunden Punkt getroffen haben. Sie wurden von Menschen gezogen, die im Schutz ihrer Anonymität mein „mich zeigen“ durch Buch und Blog hart kritisierten. Ihre Worte trafen mich ungebremst und mit voller Wucht. Es fiel mir schwer damit umzugehen und meine Selbstzweifel flammten erneut und rastlos auf.

Du musst wissen, dass ich für jeden Hinweis, der mich zu meinem Selbst führt, dankbar bin. (So wie zum Beispiel jemand meinen Blog nicht liest, weil ich die Kommasetzung nicht beherrsche. Das habe ich mir zu Herzen genommen und gelobe Besserung) Doch an dieser Kritik, die du hier und hier nachlesen kannst, habe ich etwas länger zu knabbern. Ich weiß aber, dass ich, wenn ich es geschafft habe diese Wunde heilen zu lassen, dankbar zurückschaue, auf diese „Arschengel“ so wie Robert Betz es zu sagen pflegt. Denn wenn mich das mitten ins Herz trifft, scheint es dort etwas zu geben das in mir heilen muss. Denn nur wenn ich mich von einem trotzigen Leser auf der Ebene eines trotzigen Kindes ansprechen lasse, kann es mich verletzen. Und da kommen wir der Lösung doch schon näher.

DANKE!

Dieses Bild habe ich im Internet gefunden. Wahre Worte! Verstehst du das richtig?

Worte

Das gilt in beide Richtungen.

Heute habe ich dich daran teilhaben lassen was sich hin und wieder in meinem Kopf abspielt. Das ist natürlich nicht jeden Tag so. In letzter Zeit hatte ich unheimlich viele schöne und kraftvolle Tage. Doch im Grunde reicht ein einziger schlechter Tag aus um miese Gedanken aufkeimen zu lassen. Auch wenn 15 Tage davor super gut waren.

Und auf einmal sieht man nur noch diesen einen schlechten Tag und vergisst wie gut die Zeit doch eigentlich ist.

Manchmal verkrieche ich mich in diesen Stimmungszuständen einfach zu Hause und betrachte diesen Zustand mit Neugier. (Nachdem der „trotzige Teenager“ sich beruhigt hat und klar sehen kann.) Die Raupe hat sich vor ihrer endgültigen Geburt auch verpuppt. Bis sie ihr wahres Selbst entwickelt hat und der Welt mit einem farbenfrohen Tanz präsentieren konnte.

In meinem Fall dauert es etwas länger, aber was lange währt wird bestimmt gut.

Also schaue ich dankbar darauf was ich geschafft habe, nicht auf das was nicht ging.

Willst du wissen was ich in den letzten Tagen so getrieben habe?
Hier ein kleiner Auszug aus dem, was ich gemacht habe.

Ich habe den Kühlschrank und das Gefrierfach abgetaut und gründlich gereinigt.
Ich habe das Haus geputzt, den Boden gewischt. (das gab es schon über ein Jahr nicht mehr)
Ich habe mich mit Freunden getroffen.
Ich habe mich im Fitnessstudio angemeldet.
Ich habe fleißig Gitarre geübt.
Ich habe gebügelt.
Ich habe per Mausklick eingekauft.
Ich war mit meinem Mann bei einem Showcase zum neuen Album von Hermann van Veen „Fallen oder Springen“
Und jeden Abend bringe ich meine Kinder ins Bett, singe ein Schlaflied und warte geduldig bis sie eingeschlafen sind. Na ja, fast jeden Abend.

…und natürlich noch vieles mehr.

Wie blöd muss man sein, wenn man jetzt abgespeichert hat, dass man eh nicht mehr als nur eine Internetbestellung auf die Reihe bringt?

Und jetzt schwinge ich wieder den Staubsauger, denn das Wochenende hat seine Spuren hinterlassen. Ok, ich will ehrlich sein. Es war nicht das Wochenende, sondern meine Kindern, mein Mann und ich die den Staub haben aufwirbeln und die Krümmel fallen lassen.

Ich wünsche dir einen wunderbaren und sonnigen Wochenstart und Wintertag. Und immer den richtigen Blick auf die Dinge. Denn WIR können entscheiden wie wir ein Bild betrachten wollen.

Um es mit den Worten von Hermann van Veen zu sagen:

Jede Minute hast du die Wahl

gehe ich oder bleibe ich


spreche oder schweige


gebe oder bitte


falle oder springe ich



hier ein kleiner Einblick in das Lied „fallen oder springen“:

PS: und falls du zufällig ein trotziger Teenager bist oder einen bei dir zu Hause wohnen hast, kann ich dir ein kleines Buch empfehlen. Es heißt „Das Pubertier“ von Jan Weiler. Es wird deinen Blickwinkel verändern. Du wirst lächeln, bestimmt.

Herzliche Grüße
Die Schmetterlingsdompteurin

Eva

By | 2017-03-08T22:34:49+00:00 Januar 25th, 2016|Meine Geschichten|1 Kommentar

Ein Kommentar

  1. Caroline Régnard-Mayer 25. Januar 2016 um 18:19 Uhr- Antworten

    Liebe Eva,
    am liebsten hätte ich zwischendrin STOP gerufen und dich umarmt, denn ich kenne ja das alles als Betroffene und Autorin. Die letzte Hetzjagd auf FB letzte Woche hat mir so viel Kraft geraubt, dass ich am Boden liege und nur schlafen könnte. Es folgte dann eine Rezi, die so ungerecht war und nur von den Hetzern geschrieben wurde. Es gibt so wieso Menschen, die lesen unsere Bücher nicht und rezensieren einfach einen Schwachsinn! Zu Beginn meiner Autorenzeit hat es mich wie dich nur verletzt und zu Boden geworfen. Das änderte sich, da ich ich „deine“ Rezi-Verfasser sich Menschen verstecken, die uns schaden wollen. Pustekuchen!! Wir lassen das nicht zu – wir sind wir, wir machen weiter, lassen sie reden, denn diese Menschen haben anscheinend zu viel Zeit und der Neid frisst sie auf.
    Gehe deinen Weg Eva, lass dich nicht beirren, schreibe so wie du es für richtig hältst, blogge weiter- ich lese deinen Blog gerne (hab ihn ja abonniert ;-), ignoriere diese Arschgeigen (sorry) und fühle dich NICHT verantwortlich, was andere verstehen!
    Liebe Umarmung, Deine Caro

    P.S. Ich teile dein Blog auf meinem und schreibe etwas dazu, ist einfach zu viel passiert letzte Woche und die Monate davor. Es waren einige Autoren davon betroffen!

Hinterlasse einen Flügelschlag

Captcha: Bitte ergänze die Rechnung, damit wird überprüft ob du ein Mensch bist. * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.