Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt!

Hallo du,

da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt. Doch was hat der Hund überhaupt in der Pfanne zu suchen?

Dieser Zwiespalt ist kaum auszuhalten. Diese Woche kam der Bescheid vom Versorgungsamt, dass ich tatsächlich die gesundheitlichen Voraussetzungen für das Merkzeichen aG erfülle. aG im Schwerbehindertenausweis bedeutet „außergewöhnliche Gehbehinderung“.

Falls du dich für die rechtlichen Voraussetzungen des Versorgungsamtes interessierst, gewähre ich dir hier einen kleinen Einblick. Wenn es dir egal ist, dann überspringe diesen „Abschnitt“ einfach.

Stern weiß:grün

„…Als außergewöhnlich gehbehindert gelten nach der Verwaltungsvorschrift zu § 46 Straßenverkehrs-Ordnung Personen, die sich wegen der Schwere ihres Leidens dauernd nur mit fremder Hilfe oder nur mit großer Anstrengung außerhalb ihres Kraftfahrzeuges bewegen können. Hierzu zählen Querschnittsgelähmte, Doppelober- oder -unterschenkelamputierte, … und Schwerbehinderte, die nach versorgungsärztlicher Feststellung, auch aufgrund von Erkrankungen, dem vorstehend aufgeführten Personenkreis gleichzustellen sind…“

Stern grün:pink

Wenn du nicht gesprungen bist, sondern den Text gelesen hast, fragst du dich jetzt möglicherweise entweder wie ich es geschafft habe dieses Merkzeichen zuerkannt zu bekommen oder ob es wirklich so schlecht um mich steht.

Ich kann dich beruhigen. Manchmal hilft es einfach vernünftig mit den Menschen zu reden. Und es war noch nicht einmal ein Mann, den ich überzeugen musste. Als ich von der Amtsärztin untersucht wurde, hat sie mir diesen Sachverhalt ausführlich erklärt und mir keine großen Hoffnungen auf Erfolg gemacht. Ich habe das Gespräch mit ihr gesucht und verdeutlicht wo meiner Meinung nach der Unterschied zu einem Querschnittsgelähmten bzw. Oberschenkelamputierten liegt. Ich habe ihr veranschaulicht, dass das Zurücklegen einer Strecke für einen MS Kranken womöglich viel schwerer ist. Denn ein MS Patient kann die Schwäche seiner Beine nicht mit anderen Körperteilen kompensieren. Das, was es so mühsam macht, ist die Schwere, die es unmöglich macht die Beine anzuheben. Und probiert er es trotzdem, geht ihm relativ schnell die Puste aus. Dennoch hat er das Recht jeden Schritt, den er noch gehen kann, zu gehen. Ist es auch noch so mühsam. Aber auch wenn er das nicht mehr täte und sich stattdessen in den Rollstuhl setzen würde, wäre das Vorankommen für ihn beschwerlich. Da man das aber nun nicht sichtbar messen kann, bleibt nur ein vernünftiges Gespräch. Und da scheine ich ja einiges richtig gemacht zu haben.

Meine Argumente haben den Gutachter überzeugt. Vielen Dank !

Kein Grund zur Freude meinst du? In gewisser Hinsicht hast du Recht. Doch es bringt auch Vorteile. Abgesehen von steuerlichen Vergünstigungen ermöglicht es mir u.a. einen Parkausweis zu beantragen, was ich bereits erledigt habe. Ab sofort darf ich legal alle nichtbehinderten die trotzdem auf Behindertenparkplätzen parken zur Schnecke machen, wenn ich selbst einen Parkplatz brauche.

Und nun? Du willst wissen warum du jetzt keinen Freudenschrei hörst? Ja, da ist eben dieser eine kleine Haken an der Sache. Bin ich doch jetzt auf dem besten Weg der Besserung und zähle mich in ein paar Monaten nicht mehr zum Kreis der gehbehinderten Menschen. Und schon schlägt er zu, der Saboteur, von dem ich dir letztes Mal erzählt habe. Das ist das gefundene Fressen für diesen kleinen Kriegstreiber. Er fühlt sich absolut bestätigt und im Recht. Schwupps, und schon werden die Beine wieder schwerer. Doch keine Panik, ich habe ihn durchschaut und schlagkräftige Argumente in der Hinterhand. Der Behindertenausweis war anfangs unbefristet ausgesellt worden. GdB 80 ein Leben lang. Ja, ist schon klar. Die Ärzte sagen doch, dass MS nicht heilbar ist. So hatte ich mir das jedenfalls erklärt, warum ich gleich lebenslänglich bekommen habe. Und nun nach meinem Widerspruch gilt er nur noch für 3 Jahre. Doch das ist genau mein Glück. Diese Zeit nehme ich um gesund zu werden und damit das Leben ein bisschen leichter ist, nehme ich bis dahin die Vorteile in Anspruch. Denn wenn ich will, wird er mir helfen wieder gesund zu werden.

Weil Glück ist, was ich draus mache.

Sockengesicht

Wie geht es dir eigentlich? Wie hast du die heißen Tage verbracht? Ich lag mehr, als dass ich stand. Ich war unglaublich müde und konnte jederzeit schlafen. Zum Glück war ich in der komfortablen Situation meinem Bedürfnis nachgeben zu können und habe jede Gelegenheit genutzt mich hinzulegen. Zum einen hat die Hitzewelle dem Körper viel abverlangt. Aber die Müdigkeit konnte auch ein Zeichen von Heilung sein. Mein gesamter Körper programmiert sich schließlich um. Und zwar jede einzelne der 100 000 000 000 000 Zellen. Und weil ich diese Zahl nicht aussprechen kann, habe ich gespickt. Wahnsinn, was für eine große Zahl. 100 Billionen Zellen. Jetzt wird mir einiges klar. Vor allem warum das so lange dauert. Ich gebe meinem Körper also noch ein bisschen Zeit und freue mich derweil darüber, dass mir schon vieles leichter von der Hand und vom Fuß geht, mein Kopf besser arbeitet und meine Stimmung optimistisch ist.

Zur guten Stimmung hat aber noch etwas anderes beigetragen. Ich habe nämlich eine Quartalsabschnittsinformation meines Verlegers bekommen. Hat er doch tatsächlich gefragt, ob ich ihm die mir im Manuskript aufgefallenen Fehler mitteilen kann, da er in den nächsten Wochen eine zweite Auflage drucken möchte.

LUFTSPRUNG! HUI 🙂

Das soll an dieser Stelle reichen. Über das Thema Buch schreibe ich gerne einen separaten Blog. Das ist es mir schon Wert.

Und nun freue ich mich mit dir auf ein wunderschönes Wochenende. Ich wünsch dir Sonne im Herzen und ein offenes Ohr für Menschen die dir wichtig sind. Und wenn du mal etwas nicht gleich verstehst, warte ab und frage nach.

Herzliche Grüße

Die Schmetterlingsdompteurin
Eva

By | 2017-03-08T22:34:49+00:00 Juli 10th, 2015|Meine Geschichten|0 Kommentare

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