Der innere Saboteur

Hallo du,

als ob das nicht schon genug wäre, dass ich von Außen mit Zweiflern und Kritikern umgeben bin und konfrontiert werde, nein. So meldet sich auch mein innerer Saboteur zu Wort. Anstatt hinzuschauen was sich alles schon verbessert hat, zählt er mir auf, was doch noch nicht wirklich gut ist. Er drückt meine Nase genau dorthin wo die Schwachstellen sind. Und damit ich ihm glaube, lässt er es mich dann auch gleich körperlich spüren. Außerdem will er mir immerzu einreden, dass das doch alles Quatsch und Einbildung sei. Aber nicht mit mir.

                                                                        STOPP!

Na ja, nicht ganz stopp. Ich beobachte natürlich was die kleine Miesmuschel da so mit mir treibt.  Aber nebenbei schaue ich auch auf meine Fortschritte. Seit meiner Seelenreise hat sich nämlich eine ganze Menge verändert. Ich zähle hier mal nur ein paar Beispiele auf.

Ich mache jeden Tag Gymnastik und das ohne danach überdurchschnittlich erschöpft zu sein. Also so MS – erschöpft. Ich habe mehr Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit. Mein Gleichgewicht hat sich stabilisiert und das Haare waschen unter der Dusche ähnelt nicht mehr einer lebensgefährlichen und leichtsinnigen Angelegenheit. Sogar wenn mir der Schaum in die Augen läuft, behalte ich noch festen Stand unter meinen Füßen. Außerdem bewahre ich im Alltag leichter den Überblick und unvorhergesehene Stresssituationen lassen mich nicht gleich überfordern.

Pssst! Sei mal still! Hast du das auch gehört? Da hat doch jemand was gesagt!? Ich glaube ich werde abgehört. Und ich weiß auch schon von wem. Willst du wissen, wer mich gerade belauscht? Das war der kleine Saboteur höchst persönlich.

„Ich habe dich ertappt. Ja, ich meine dich! Hör nur gut zu, du kleiner Pessimist.“

Vor ein paar Tagen bin ich dann das erste Mal seit fast einem Jahr 100 Meter mit dem Stock gelaufen. Ohne Omadüsenjäger, also ich meine ohne Rollator. Und zur Krönung sagt mir meine Tochter die mich begleitet hatte „Mama, du bist aber ganz schön schnell gelaufen“. Damit hatte sie Recht. Meine Geschwindigkeit hat sich tatsächlich verbessert. Das konnte ich sehen als ich gestern zum Bus gegangen bin. Da musste ich doch glatt noch 13 Minuten warten. Und das obwohl ich unterwegs noch mit einer Freundin gequatscht hatte. Bisher erreichte ich den Bus  immer gerade so oder wenn ich Pech hatte, habe ich ihn verpasst.

Schau mal, ich kann sogar meine Füße wieder von oben fotografieren, ohne umzufallen!

Füße

Während ich das hier schreibe, versucht mein innerer Kritiker wirklich jede dieser Zeilen zu widerlegen. Das kannst du dir nicht vorstellen. Er sagt zum Beispiel: „100 Meter? Was sind schon 100 Meter? Und dann warst du auch ziemlich wackelig unterwegs.“ Oder er sagt: „Und wie bist du gestern über die Straße gegangen? Hast doch 2 Ampelphasen für ne ganze Kreuzung gebraucht!“

Verstehst du was ich meine? Er ist wie so ein kleiner Miesmacher, der wirklich an allem was auszusetzen hat. Unglaublich. Doch ich kämpfe nicht gegen ihn an. Das würde ihn mächtiger machen. Ich beobachte ihn still und lass ihn ausreden. Er wird sich schon wieder beruhigen.

So, das musste jetzt mal gesagt werden. Das war wichtig. Denn wenn der Saboteur nicht entdeckt wird, werden oft die kleinen Veränderungen als Einbildung abgetan und nicht wirklich ernst genommen. Hat man das jetzt aber alles so aufs Papier bzw. auf den Bildschirm geschrieben, kann man seine Leistung anerkennen und den inneren Kotzbrocken links liegen lassen.

Rose

Und wie es mit mir und meinem Saboteur weiter geht, erfährst du hier auf meinem nächsten Blog. Wenn du nichts verpassen möchtest, und du meinen Newsletter noch nicht abonniert hast, kannst du das gerne gleich nachholen. Einfach hier oben rechts deine Emailadresse eintragen und auf abonnieren klicken, fertig. Und schon bist du immer bestens über die Schmetterlingsdompteurin informiert.

Doch bevor ich zum Ende komme, möchte ich ein Versprechen einlösen. Ich habe dir von meiner Aufrichtung erzählt. Und gestern kam, oh Freude, ein Lichtblick. Die Urkunde von meiner Aufrichtung. Juhu! Magst du sie sehen?

Aufrichtung

Ist das nicht unglaublich? Abgesehen davon, dass ich dringend mal wieder meine Füße waschen sollte, ist das doch fantastisch. Wirklich niemand wird jemals wissen wie das funktioniert. Das ist auch nicht wichtig. Wichtig ist, dass es funktioniert. Und ich fühle mich seit diesem Tag irgendwie frei, frei von Schuld und Last. Es ist wunderbar. Und zum Nachahmen zu empfehlen.

Heute ist ein schöner Tag, mit Sonne und Wolken und etwas Wind, so wie ich es liebe. Ich wünsche dir in deinem Leben immer eine Prise Humor, ein bisschen frischen Wind, der dich beflügelt und dir Kraft und Mut schenkt, deinen eigenen Weg zu finden.

Von Herzen alles Liebe.

Mir ist gerade etwas eingefallen. Dieses Gedicht steht in meinem Buch „Die Schmetterlingsdompteurin – Multiple Sklerose, wie der Flügelschlag eines Schmetterlings mein Leben veränderte.“ Ich habe es geschrieben als ich mal wieder in so ein depressives Loch gefallen bin. Ich glaube, ich habe damals schon etwas von meinem inneren Saboteur geahnt. Ich nannte ihn nur das kleine Teufelchen. Doch lies selbst. Betrachte dies als ein kleines Geschenk an dich!

Hoffnungsschimmer

Hoffnung wo krieg ich dich nur her,
in meinem Herzen scheint alles leer.
Auf meiner Stirn die Sorgenfalten,
sie regieren und verwalten.
Sie beherrschen Freud und Leid.
Engelchen und Teufelchen haben Streit.
Engelchen ist leis und sacht,
denn Teufelchen ist an der Macht.
Er drückt mit Kraft die Augenlider,
die gute Laune einfach nieder.
So lange bis das letzte Stück
der Hoffnung weggedrückt.

Und ehe ich mich wehren kann,
ist auch dieser Tag vertan.
Keinen Spaß gehabt, kein Wort zu nichts und niemand.
Ich starre schweigend an die Wand und sehe
wie das Engelchen verschwand.
Jetzt gibt es nur noch einen
der das traurig sein und weinen
stoppen kann.
Schau an,
das bin ich, ich kämpfe weiter
gegen teuflisch miese Sorgenfaltenreiter.
Und wie durch Zauberhand
Sagt mir leise mein Verstand.
Du darfst eines niemals nicht aufgeben.
Es ist die Hoffnung, die du brauchst zum Leben.

Und im selben Augenblick,
reißt der Himmel auf, ein kleines Stück.
Ich kneif die Augen zu,
schließlich wollte ich heute meine Ruh.
Doch die Sonne flüstert in mein Zimmer.
Hey du, ich bin dein kleiner Hoffnungsschimmer.
Nimm mich und halt mich fest.
Und der Rest?
Warm ist er, der Sonnenschein.
Der Rest, er kommt von ganz allein.
Wirst sehen,
wirst stehen,
wirst gehen.
Und mit ein bisschen Glück
kommt mein Engelchen zu mir zurück.

Herzliche Grüße
Die Schmetterlingsdompteurin

Eva

PS: Ich wünsche dir, dass dein Engelchen dich immer begleitet, egal wo du auch bist.

 

By | 2017-03-08T22:34:49+00:00 Juni 26th, 2015|Gedichte, Meine Geschichten|2 Comments

2 Kommentare

  1. Caroline Régnard-Mayer 7. Juli 2015 um 17:37 Uhr- Antworten

    Liebe Eva,
    ein sehr schöner Blog, interessant und macht Lust mehr von dir zu lesen, auch deine Fotos zu Beginn jedes Artikels!
    Hast du Lust dich mit LESEND HELFEN http://www.lesend-helfen.de/index.php/anmeldung?view=registration zu verlinken? Ich schreibe gerade einige Autoren und Blogger an. Wenn du es möchtest dann schreibe doch Frau Schulik an und beziehe dich auf mich, dann weiß sie gleich Bescheid.So werden wir noch besser verlinkt und unterstützen Kinder mit juveniler MS.
    Würde mich sehr freuen, wenn du dabei wärst.
    Liebe Grüße
    Caroline

  2. Christine 2. Juli 2015 um 23:06 Uhr- Antworten

    Hallo,

    ich mußte gerade ein wenig schmunzeln, 100 Meter frei ist für uns MS ler schon ein starkes Stück 🙂 das kommt mir sehr bekannt vor. Einen schönen Abend, Gruß Christine

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