Die Geburtsstunde

Hallo Du,

gestern Abend habe ich mich lange mit meinem Geburtshelfer unterhalten. Unterhalten ist vielleicht der falsche Ausdruck. Es ähnelte eher einem hochprofessionellen Coaching für Blog Anfängerinnen. Denn vom Bloggen habe ich wirklich überhaupt keine Ahnung. Die ersten Flügelschläge ließ er mich alleine machen. Wie bei einem kleinen Kind, das seine ersten Schritte übt. Ein junger Schmetterling eben, der aus seinem Kokon geschlüpft ist und das Fliegen lernen will. Und was bleibt dabei nicht aus? Plumps! Das kleine Kind fällt hin. Aber keine Sorge. Es hat sich nicht weh getan. Weil mein Geburtshelfer schon weise ist, weiß er, dass auch kleine Schmetterlinge am meisten aus ihren eigenen Erfahrungen lernen. Also lehnte er sich zurück, schmunzelte und begleitete das heranwachsende Kind bei seinen ersten Anfängen, die große weite Blogwelt kennen zu lernen. Und wenn es dann doch etwas tiefer fiel, fing er es auf, klopfte seine Flügelchen aus und half ihm wieder auf seinen Weg zurück.

Froschlaich

Wohl behütet traute ich mich meine ersten Flügelschläge als Blog Neuling alleine zu probieren. Sie bestanden aus dem, was mir eben gerade so in den Sinn kam. Das hast du sicher schon gemerkt. Und so tapste ich noch leicht benommen von der Geburt im Dunkeln umher ohne zu wissen wohin ich eigentlich will und wo es überhaupt langgeht. Was ist eigentlich ein Blog? Was erwartet der Leser von mir?

Fensterblick
Mein mittlerweile älter gewordener Jugendhelfer wollte mir die Antwort auf diese und viele andere Fragen gerne geben. Ein guter Blog braucht ein Thema. Er braucht einen roten Faden. Ein Bastelblog zum Beispiel postet eben nur alles rund ums Basteln und nicht was junge Mütter tun sollten wenn ihr Kind in die erste Trotzphase kommt. Ein Computerblog berichtet über die neuesten Technologien der Computerentwicklung und nicht über das, was der beste Gärtnertipp gegen Blattläuse ist. Ja, und da ich ja nicht auf den Kopf gefallen bin, habe ich dann schon schnell kapiert, dass auch mein Blog ein Thema braucht. Aber worüber soll ich jetzt schreiben? Ach, die Antwort liegt doch sehr nahe. Oder warum hat meine Tochter heute Morgen nicht „arme Mama“, sondern „beine Mama“ zu mir gesagt? Genau, weil meine Beine nicht so laufen, wie man es von Beinen erwartet, die ordnungsgemäß am Unterleib angewachsen sind. Sie tun es eben nicht, das Laufen. Denn ich bin vor langer Zeit mit einer besonders originellen Diagnose gesegnet worden. Und da ich dann auch noch ein Buch zum selbigen Thema geschrieben habe, ist es doch naheliegend worum es sich in meinem Blog dreht. Es geht um diese Krankheit, die einem Chamäleon ähnelt. Sie hat viele verschiedene Gesichter. MS eben. Und damit du dir das etwas besser vorstellen kannst, wie das so war mit so einer Diagnose, will ich die Türe bzw. das Fenster für dich einen Spalt öffnen und dir einen kleinen Einblick in mein Buch geben. „Glaubst du an Wunder“?

Fensterspalt

Glaubst du an Wunder?

Ich – Ich bin so schlapp.
Er – Geh früher ins Bett.
Ich – Meine Beine sind taub.
Er – Ach, papperlapapp.
Ich – Jetzt kribbelt es auf meiner Haut.
Er – Wahrscheinlich nur kurz eingeschlafen.
Ich – Manchmal falle ich einfach so um.
Er – Du hast nur nicht richtig aufgepasst.
Ich – Ich kann mich so schlecht konzentrieren.
Er – Mach halt nicht so viel nebenher.
Ich – Ich glaube ich bin anders als andere.
Er – Na und?
Ich – Ich kann nicht mithalten mit den Leuten.
Er – Streng dich ein bisschen mehr an.
Ich – Keiner kann mich verstehen.
Er – Es liegt nicht immer an den anderen.
Ich – Irgendetwas stimmt mit mir nicht.
Er – Was soll schon nicht stimmen?
Ich – Wenn ich nur wüsste was mit mir los ist.
Er – Dann geh halt zum Arzt.
Ich – Da war ich schon.
Er – Was hat er gesagt?
Ich – Er sagte MS.
Er – Kenne ich nicht.
Ich – Ich fühle mich so allein.
Er – Hör auf zu jammern.
Ich – MS.
Er – MS?
Ich – Mein Leben lang.
Er – Unheilbar?
Ich – Wenn nicht ein Wunder geschieht.
Er – Dann geh und such es.
Ich – Ja, das mache ich. Danke fürs Zuhören.
Er – Bitte, viel Glück.

Ich wünsche dir ein offenes Herz und hoffe, dass ich dein Interesse für meinen Blog geweckt habe. Es wäre schön, wenn ich dich hier bald wieder sehen darf.

Herzliche Grüße
Die Schmetterlingsdompteurin

Eva

 

By | 2017-03-08T22:34:53+00:00 November 23rd, 2014|Gedichte, Meine Geschichten|2 Comments

2 Kommentare

  1. Nadine 24. November 2014 um 22:12 Uhr- Antworten

    Ich bin begeistert, was für ein schöner Beitrag.

    Du kannst nicht fliegen, vielleicht auch nicht mehr richtig laufen, aber was du wirklich kannst ist schreiben. Bitte hör damit niemals auf damit!

    Und übrigens, ich glaube an Wunder 🙂

  2. Robert 23. November 2014 um 19:52 Uhr- Antworten

    Wow, Chapeau — jetzt aber weiter so – jetzt hast du angefangen wie ein erwachsener Schmetterling zu fliegen. Jetzt nur nicht nachlassen, die Ziele sind gesteckt, das Ausmaß ist dir zwar noch nicht bewusst, aber du packst das. Glaube an dich selber, dann schaffst du es. Es hat so was von Hummeln: 😉

    Nach den Gesetzen der Physik können Hummeln nicht fliegen. Doch die Hummel weiß das nicht und fliegt trotzdem.

    So auch bei Dir,

    Viel Erfolg

Hinterlasse einen Flügelschlag

Captcha: Bitte ergänze die Rechnung, damit wird überprüft ob du ein Mensch bist. * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.